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Frostige Spuren

Anthologie
Herausgeber: Creativo – Initiativgruppe für Literatur, Wissenschaft und Kunst

Taschenbuch
Erscheinungsjahr: 2021
168 Seiten
Preis: 9,80 €
ISBN: 978-3-949150-05-0

Verlag: Fabuloso Verlag, Bilshausen

Bestellungen: Direkt bei mir oder bei Amazon.

 

Frostige Spuren – Creativo Anthologie
Spuren – wir finden sie in allen Bereichen des Lebens. Oft wandeln wir auf denen, die andere hinterlassen haben. Aus Gewohnheit, Bequemlichkeit oder aus Überzeugung stecken wir in festgefahrenen Spuren und meinen, sie nicht verlassen zu können. Es erfordert Mut, neue Wege zu gehen – im Besonderen, wenn sie abseits der gewohnten Spuren zu liegen scheinen. Aber vertraute Spuren geben auch Halt und verhindern, dass wir uns in den Wirren des Lebens verlieren. Spuren führen uns zu zahlreichen Abgründen oder Höhen des Daseins. Folgen Sie uns für ein paar fesselnde und/oder entspannte Momente auf unseren „Frostige Spuren“. Sie sind vielfältig in ihrer Art und in ihren Zielen.

Aus grauer Vorzeit kommend, weisen sie uns verschiedene Wege in die Zukunft. Wir haben die Wahl, ihnen zu folgen oder neue zu legen.
Denn auch wir hinterlassen Spuren – sichtbar für die Menschen, die jetzt mit uns leben, ebenso wie für kommende Generationen. Manche werden sich als falsch erweisen, andere als richtig – immer relativ gesehen, aus der Perspektive des Betrachters heraus.
In diesem Buch haben sich die Autorinnen und Autoren der Creativo mit Spuren der frostigen Art beschäftigt. Unsere Geschichten und Gedichte zeigen zum Beispiel Spuren menschlicher Abgründe auf und beleuchten die Frostigkeit ebenso wie den Humor, den man in Spuren finden kann.

Melanie Buhl

Es wirkten mit: Melanie Buhl, Maria Göthling, Gertrud Keitel, Barbara Merten, Dr. Walter Kiefl, Manfred Piepiorka, Marianne Stegmaier, D.W. Grobe, Michaela Schreier, Gudrun Strüber.
Das Coverfoto ist von Melanie Buhl: Die Rhumequelle im Winter.

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Auftragstötung
von Manfred Piepiorka

Von Hause aus kann Kolja Schawitzki der oft zitierte Herr Mustermann sein. Unauffällig und nicht aus der Masse herausragend. Sein Lebenslauf bietet ebenfalls keine besonderen Höhepunkte. Abgesehen von seinem erfolgreichen Schulabschluss und die bestandene Verwaltungsschule. Von den Kollegen wird er akzeptiert. Die Vorgesetzten haben nichts an ihm oder seinen Arbeiten auszusetzen. Seit Antritt des Dienstes vor Jahren fühlt sich Kolja nicht dazu berufen, die Karriereleiter zu erklimmen. Nein, er ist mit seinem Sachbearbeiterposten als Verwaltungsfachangestellter im öffentlichen Dienst seiner Heimatstadt vollauf zufrieden. Privat sieht es nicht weniger unspektakulär aus. Herr Schawitzki ist mehr als zwei Jahrzehnte verheiratet. Die zwei Kinder gehen noch zur Schule. Die Familie bewohnt ein Eigenheim in einer Reihenhaussiedlung. Der stets gepflegte Vorgarten ist akkurat strukturiert und nur spärlich bepflanzt. Das Mittelklasseauto unterm Carport bietet einen gewienerten Anblick, als würde es nur an staubfreien Sonnentagen genutzt. Am heutigen Nachmittag, so gegen 17:00 Uhr erhält Kolja den mündlich übermittelten Auftrag. Die Auftraggeberin verlangte unbedingt eine Erfolgsnachricht. Eigentlich verspürt er in der momentanen Winterzeit keinerlei Interesse daran, solch einen Auftrag anzunehmen. Aber … er sieht keine andere Wahl. Also beginnt er mit den Vorbereitungen. Es dunkelt bereits, als der zum Töten beauftragte Mann aufbricht, um zu vollbringen, was von ihm verlangt wird. Sein Blick auf das Thermometer am Hauseingang erfreut ihn absolut nicht. Immerhin Minus 11o C. Hoffentlich braucht er nicht lange warten, denkt Kolja ergeben. Mit einem Ruck schultert er seinen alltäglichen Rucksack, in dem er seine für die Erledigung des Auftrags erforderlichen Werkzeuge verstaut. Der Mann hat vor, den Tatort zu Fuß aufzusuchen. Ist ja auch nicht weit. Wenn es wegen der Straßen- und Wegeverhältnissen keine größeren Schwierigkeiten gibt, kann Kolja Schawitzki in etwas mehr als 30 Minuten eintreffen. Und dann heißt es: Erstens, den geeigneten Platz vor Ort aufsuchen und ihn entsprechend herrichten. Zweitens, dem Opfer letztlich auflauern. Dann allerdings muss es schnell gehen. Es gilt, erst gefangen nehmen und umgehend töten. Nicht wirklich etwas Besonderes für Kolja. Er erlebte schon einige solcher Aktionen. Nur äußerst selten musste er einen neuen Versuch starten. Der Mehrfachtäter ist in der Hinsicht wirklich erfolgsverwöhnt. Dieser Auftrag …. Den zu Erledigenden, den kennt er gar nicht persönlich. Er ist ihm bisher noch nie, Auge in Auge gegenüberstehend, begegnet. Allerdings weiß er, wie das Opfer aussieht. Zudem ist ihm bekannt, wo es sich meistens aufhält. Trotzdem verspricht die Sache eine längere Aktion zu werden. Kolja hat so eine Vorahnung. Und die ist berechtigt. Seit Stunden wartet er nun schon am erfolgversprechendsten Ort seines Vorhabens. Bisher ist das Opfer noch nicht aufgetaucht. Der Mond erhellt die Umgebung mit mystischem silbernem Licht. Die Büsche etwas weiter hinten schirmen den leichten Wind nur notdürftig ab. Zum Glück ist der Himmel frei und es fällt kein Schnee. Dennoch, die Kälte steckt dem Lauernden bereits in allen Gliedern. Etwas zum Wärmen oder jedenfalls etwas Warmes zu trinken, das wäre absolut hilfreich, die Situation zu erleichtern. Aber damit deckte sich der zum Töten bereite Mann nicht ein. Ihm lag und liegt nur an der Erledigung des angenommenen Auftrags. Kolja weiß genau, wie er vorgehen will. Mit seinen Augen versucht er, jede kleinste Bewegung wahrzunehmen. Ein sehr kräftiges Messer steckt griffbereit seitlich im Stiefelschaft des rechten Winterstiefels. Endlich regt sich etwas. Der zum Töten entschlossene Mann macht sich bereit und spannt seine Muskeln an. Das Auflauern hat sich offensichtlich gelohnt. Mit Wucht wirft Kolja wenige Minuten später sein Opfer auf die eisige Fläche, auf der er steht. Ein flinker Griff zum Messer und ein beherzter Schlag hinter den Kopf des am Boden Liegenden. Die Bewegungen des Gefangenen lassen umgehend nach. Für jegliche Gegenwehr ist es nun eh zu spät. Mit relativ wenigen Gefühlen des Bedauerns setzt der Täter das im Mondlicht blinkende Messer an und sticht zielsicher und brutal zu. Er weiß, dieser Stich wird das Herz des Opfers treffen. Es ist keine weitere Tätigkeit erforderlich, um das Leben auszulöschen. Der wieder einmal erfolgreiche Mann räumt seine Gerätschaften und alles, was auf ihn und die vollendete Tat hinweist, zusammen. Mit selbstsicheren Schritten begibt er sich auf den Heimweg. Kolja Schawitzki ist froh, endlich nach einem strammen Fußmarsch seine warme Wohnung betreten zu können. Die Auftraggeberin wartet dort bereits. Kolja legt ein Geschirrtuch auf den Tisch und entnimmt einem Beutel den Beweis für seine Auftragserledigung heraus. Augenblicke später glänzen die Augen von Koljas Ehefrau, genauso hell wie die Schuppen des prächtigen Zanders, den ihr Mann erbeutet hat.

Freiheit … hier und anderswo

Anthologie
Herausgeber: Creativo – Initiativgruppe für Literatur, Wissenschaft und Kunst

Taschenbuch
Erscheinungsjahr: 2019
228 Seiten
Preis: 9,80 €
ISBN: 978-3-945346-75-4

Verlag: Fabuloso Verlag, Bilshausen

Bestellungen: Direkt bei mir oder bei Amazon.

Freiheit – für uns ein fast alltägliches Wort. Für andere Menschen ein gewaltiges Wort, ein unerreichbarer Zustand. Wir leben heute in einem freien Land. Aber das ist keine Selbstverständlichkeit. Vor 30 Jahren fiel die innerdeutsche Grenze und die Mauer in Berlin. Tausende Menschen strömten von Ost nach West und umgekehrt.

Viele suchten die Freiheit. Haben sie sie gefunden?

In besonderem Maße waren Berlin als geteilte Stadt und das Eichsfeld als geteilte Landschaft von der Teilung betroffen. Ist nach all den Jahren der Einheit die Freiheit noch das, was die Menschen heute suchen?
Die Autorinnen und Autoren der Creativo erzählen in diesem Buch in vielfältiger Weise wie sie Freiheit erlebt haben und noch erleben. Die Geschichten handeln von Menschen, die nicht frei sind, erzählen von Träumen, die vom Wunsch nach Freiheit geprägt sind. Oder beleuchten in humorvoller Weise die kleinen Unfreiheiten des Alltags.

Nehmen Sie sich die Freiheit einer Pause, lehnen sich zurück und lassen sich entführen in die Freiheit der Gedanken.

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Susi
von Melanie Buhl

Heute waren wir wieder gemeinsam unterwegs. Keine lange Strecke, aber in der Stadt, wo ich etwas zu erledigen hatte, kannte ich mich nicht so gut aus und hatte darum um Susis Hilfe gebeten. Widerwillig – aber es schien mir das kleinere Übel zu sein.

Susi fuhr gelangweilt aber bereitwillig mit. Einerseits war ich froh, nicht völlig allein unterwegs zu sein, andererseits ging mir meine gelegentliche Mitfahrerin mächtig auf die Nerven. Ständig kommandierte sie herum, fahr links, fahr rechts. Es war manchmal kaum auszuhalten!

Besonders nervig war es, wenn Susi meinte, einen besseren Weg als ich zu kennen, obwohl ich in der Gegend aufgewachsen war und mich bestens auskannte. Manchmal nahm ich eben lieber einen Umweg in Kauf, als durch ein Waldstück zu fahren, das mir zu düster erschien oder im Winter womöglich nicht ordentlich geräumt oder gestreut war. Susi hatte für solche Sentimentalitäten kein Verständnis. Sie kannte sich hervorragend aus, das gestand ich ihr zu, aber diese ständige Besserwisserei trieb mich in den Wahnsinn. Wie oft hatte ich den Impuls unterdrückt, einfach anzuhalten und sie an die frische Luft zu setzen? Nein, das tat ich natürlich nicht. Manchmal war sie ja doch hilfreich und hatte gute Tipps.

Und dann Susis strikte Weigerung, nach all den Jahren zu einem vertrauten Du zu kommen. Ihre ganze unterkühlte Art nervte. Gute Freunde würden wir sicher nie werden. Es war eher eine Zweckgemeinschaft. Die heutige Fahrt lief anfangs noch gut, Susi war freundlich und gab sinnvolle Hinweise.

Dann kam die erste Kreuzung, an der ich mich anders entschied, als es Susi für richtig gehalten hätte. Nachdrücklich verlangte Susi zu wenden. Als ich mich weigerte, bestand sie bockig darauf, spätestens an der nächsten Kreuzung wieder ihrem Rat zu folgen. Als ich, dort angekommen, ein zweites Mal meinen Kopf durchsetzte, verharrte Susi in beleidigtem Schweigen. Ebenso bei meinem drittem Auflehnen gegen Susis Rat. Danach folgte ich brav den Anweisungen meiner Mitfahrerin und es schien Frieden eingekehrt zu sein.

Bis wir die fremde Stadt fast erreicht hatten.

Ich wusste, dass wir an der Tankstelle abbiegen mussten. Susi meinte wieder, einen besseren Weg zu kennen, und protestierte lautstark. Als wir dann kurz vor meiner bevorzugten Abfahrt waren, hatte Susi wohl die Schnauze voll. Vielleicht dachte sie sich: Was soll ich hier, wenn Tabea sowieso nicht auf mich hört?…

Ruma

Taschenbuch
Erscheinungsjahr: 2019
264 Seiten
Preis: 9,90 €
ISBN: 978-3-945346-73-0

Die Special Edition, als Hardcover mit Lesebändchen, ist nur direkt bei mir erhältlich: Preis: 12,90 €

Verlag: Fabuloso Verlag, Bilshausen

Bestellungen: Direkt bei mir oder bei Amazon.

 

Liebe Leserinnen und Leser,

Dieser Roman ist meine persönliche Interpretation der beiden Sagen um die Nixe Rhuma/Ruma und den Rüdershäuser Mahnehund.
Ursprünglich inspiriert zu dieser Geschichte wurde ich bei einem der unzähligen Spaziergänge an der Rhumequelle. Dort hängt eine kleine Tafel, auf der mit wenigen Sätzen die Geschichte der traurigen Nixe, die der Quelle den Namen gab, zu lesen ist.
Diese Geschichte ist sehr kurz und ließ mir viel Platz für eigene Gedanken, Fantasien und Inspirationen. Warum ist das alles so gekommen? Warum nicht anders? Was passierte danach? Alles Fragen, die mich zum Schreiben motivierten.
Immer wieder bin ich zum Ort des Geschehens, der Rhumequelle, gepilgert und habe Ruma nachgespürt.
Wie hat sie gelebt? Hatte sie Eltern, Geschwister, Freunde? Wie hat sie die einzelnen Geschichten und Begebenheiten erlebt?
Wer kannte sie? Vielleicht der Rüdershäuser Mahnehund? Und was ist überhaupt mit seiner Geschichte? Dessen Sage ist noch kürzer als die, der Nixe Ruma und setzte in meiner Fantasie ein ähnliches Gedankenkarussell in Gang.
Wenn ich an der Quelle saß und ganz still war, dann kamen die Ideen von allein, als würde Ruma mir dort ihre eigene Geschichte erzählen … es ist ein mystischer Ort. Voller Magie …

Wer die Rhumequelle noch nicht kennt, sollte einmal dorthin wandern. Es lohnt sich.

Ich hoffe, dass viele Leser Gefallen an meiner Ruma finden.

Und wer weiß … vielleicht kommen diese Leser dann in unsere schöne Heimat, ins Eichsfeld, um selber auf den Spuren von Ruma und dem Mahnehund zu wandeln …
Ich würde mich sehr darüber freuen ­– und Ruma sicherlich auch!

Am Ende des Buches befindet sich ein Anhang. Dort habe ich die Personen und Orte dieser Geschichte und, soweit vorhanden, ihren realen Hintergrund erklärt.
Auch über die Unterschiede in den Sprachen der Zwerge, Riesen und Menschen findet man dort eine Erläuterung.

Aber nun lehnt euch zurück und lasst euch entführen in Rumas Welt!

Melanie Buhl

 

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Prolog

Mörderisches Geschrei riss mich aus dem Schlaf. Voller Panik sprang ich auf und rannte zu dem mit dichten Vorhängen zugezogenen Fenster. Mit aller Kraft zog ich den schweren Stoff beiseite. Was ich draußen sah, ließ mir das Blut in den Adern gefrieren. Der Himmel glühte orangerot vom Feuerschein, der seinen Ursprung im übernächsten Tal, das die Grenze markierte, hatte. Riesige Flammen loderten gen Himmel und beißender Rauch zog über das Land herauf zu uns. Ich sah, wie die Wachen das schwere Burgtor öffneten. Rußverschmiert und mit verbrannten Gewändern stürmten unsere Krieger von draußen in den geräumigen Burghof. König Haldor mitten unter ihnen. Das Burgtor wurde hinter den Männern sorgsam wieder verschlossen. Vermutlich waren die Feinde unseren Kriegern dicht auf den Fersen.

Ich zog die Vorhänge wieder zu, warf mir einen langen Mantel über und rannte hinunter in den Burghof.

Dort sah ich König Haldor, der seine Rede mit deutlichen Gesten untermalte: „Ich stand direkt vor ihm! Unsere Waffen hieben bereits aufeinander und ich war sicher, heute würde ich ihn besiegen, als ein donnernder Schlag und ein greller Blitz uns auseinandertrieben! Thor hatte seinen mächtigen göttlichen Hammer zwischen uns geworfen. Er traf eine alte Eiche, die mit schaurigem Ächzen längs des Stammes auseinanderbrach und danach in Flammen aufging. Rusow und ich sprangen gleichzeitig zurück und als das Feuer auf die anderen Bäume übergriff, rannten wir beide um unser Leben.

Jeder zog sich zurück auf sein Gebiet und wir riefen auch unsere Krieger dorthin.“

Ich schauderte. Eine Schlacht so dicht an unserer Burg? Das hatte es, so lange ich mich erinnern konnte, nicht gegeben. Waren die Riesen mit ihrem König Rusow wirklich geflohen oder schlichen sie sich in diesem Moment, im Schein des Feuers, an die Burg heran? Angst ergriff mich. Was würde passieren, wenn die Riesen unser Heim eroberten? Würden sie uns alle umbringen? Die Frauen und Mädchen womöglich vergewaltigen? Da war der Tod sicher das bessere Los. Den grausamen Riesen war das alles ohne Weiteres zuzutrauen. Die alten Geschichten waren voll gruseliger Begebenheiten, die von den gewaltbereiten und tölpelhaften Riesen handelten. Niemand von uns wollte so etwas erleben.

Der Wind trieb die Flammen dichter und dichter an unser Zuhause heran. Der beißende Rauch nahm uns die Luft zum Atmen. Trotzdem standen wir, die Bewohner von Sachsenstein, wie erstarrt im Burghof und sahen entsetzt auf die sich näherfressenden Flammen, als es erneut einen Donnerschlag gab. Der Himmel öffnete sich und schleuderte sein Wasser nur so heraus! In Minutenschnelle war der Brand gelöscht, aber der Regen hörte nicht auf. Wir zogen uns unter die überdachten Bereiche des Hofes zurück, doch der Regen erreichte uns bald auch dort. Haldor schrie, wir sollten uns ins Innere der Burg zurückziehen. Wir gehorchten – wie es sich für gehorsame Untertanen gehörte.

Tagelang prasselte der Regen auf uns herab.

Waren die feindlichen Riesen noch in der Gegend, als die Sonne endlich wieder hervorkam? Das war die drängendste Frage, die uns umtrieb.

 

Ich bin Ruma

Vor undenklich langer Zeit, als Zwerge und Riesen unser Land bewohnten, als selbst Menschen noch die wahre Magie fühlen konnten, da nahm meine Geschichte ihren Anfang.

Mein Name ist Ruma, ich bin die Tochter des letzten Zwergenkönigs Haldor und seiner Königin Narima, die in Wirklichkeit ein Wassergeist war.

Heute bin ich ein Geist des Wassers oder wie meine Art in manchen Gegenden der Menschen genannt wird, eine Nixe, Nymphe oder Meerjungfrau.

Das mit der Jungfrau ist zwar so nicht ganz richtig, denn ich hatte einst einen Geliebten und sogar einen Sohn, aber ich lasse es so gelten. Die Menschen wissen es nicht besser und können es auch nicht verstehen, denn die uralten Kenntnisse von der Wandelbarkeit der Geschöpfe sind ihnen schon lange abhandengekommen.

Geboren wurde ich als menschenähnliches Mischwesen. Wie es dazu kam, dass ich heute nur als Wassergeist mein Dasein friste, möchte ich euch gern erzählen …

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E-Mail von R.E. 3. Juni 2019

Hallo Melanie,
ich habe Dein Buch zu Ende gelesen. Gestern konnte ich es nicht mehr aus der Hand legen und musste bis zum bittersüßen Ende durch.
Da ist dir wieder eine sehr schöne Geschichte gelungen. Zunächst sehr anrührend und romantisch, dann aber hochdramatisch und so spannend, dass ich unbedingt wissen wollte, wie sich die Geschichte entwickelt.
Dein Buch war, wie schon die beiden vorigen, leicht zu lesen, machte ständig Appetit auf mehr und ist von seiner Konzeption her (hier meine ich die Verknüpfung von regionalen Sagen zu einer fantastischen Geschichte) richtig gut gelungen.
Besonders habe ich mich über die ‚Special Edition‘ gefreut, da man als E-Book-Leser gar nicht mehr gewohnt ist, sich die jeweilige Seitenzahl zu merken. Das Bändchen war für mich sehr hilfreich.

Dir wünsche ich erst einmal alles Gute und natürlich viel Erfolg für deine Ruma!
Herzliche Grüße
R.E.

***

Über Facebook von K.-J. Merten 3.06.2019

Hallo Melanie,
ich habe dein Buch „Ruma“ gefressen!
Meist lese ich mehrere Bücher nebeneinander – als ich mit „Ruma“ begonnen habe, waren die anderen Bücher „out“! Ich habe dein Buch verschlungen! Das ineinander Verweben: Sage-Fantasie ist dir sehr gelungen – zumal wenn man sich die realen Orte (Rhumequelle…) anschaut und in Gedanken neu entdeckt/erlebt … Gerade für Jemanden, der die Örtlichkeiten auch in verschiedenen „Stimmungen“ kennt, ist dies ein fantastischer Roman – man kann das Buch erst aus der Hand legen, wenn man den Schluss „erlebt“ hat!
Fantasie – Historie – Spannung bis zum Schluss – was will man mehr!
Für dich und dein Werk wünsche ich viel Erfolg und … den Lesern und mir noch manche „unentdeckte“ Sage!
Herzliche Grüße
K.-J. Merten

***

Weitere Rezensionen im Internet:

Hier findet ihr die Amazon-Rezensionen.

Die Rezensionen auf Lovelybooks findet ihr hier.

Hier geht es zu der Rezension von Tina Müller auf ihrem Blog Buchnotizen.

Und hier eine wunderbare Rezension von MermaidKathi auf ihrem Blog Nixenzauber.

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Fachwerkgeflüster aus dem Eichsfeld und anderswo

Anthologie
Herausgeber: Creativo – Initiativgruppe für Literatur, Wissenschaft und Kunst

Taschenbuch
Erscheinungsjahr: 2017
250 Seiten
Preis: 9,80 €
ISBN: 978-3-945346-63-1

Verlag: Fabuloso Verlag, Bilshausen

Bestellungen: Direkt bei mir oder bei Amazon.

Die 7. Creativo-Anthologie „Fachwerkgeflüster aus dem Eichsfeld und anderswo“ ist die zweite Anthologie die ich mit meiner lieben Kollegin Michaela Schreier ins Leben gerufen und bis zur Erscheinung und darüberhinaus betreut habe. Natürlich wurden wir von weiteren Creativos bei der Auswahl der Texte, der Gestaltung und dem Lektorat unterstützt, aber irgendwie ist auch dieses Buch „unser Projekt“ geblieben.

Die Geschichten, die Fachwerkhäuser erzählen könnten, und die wir für diese Anthologie verfasst haben, sind sehr vielfältig. Mystisches, Spannendes, Lustiges und Trauriges wechseln sich ab in Form von Kurzgeschichten, Erzählungen und Lyrik.
Die Fachwerkgeschichten sind bei den Eichsfeldern, ehemaligen Eichsfeldern, Freunden und Besuchern unserer schönen Heimat sowie auch in anderswo sehr beliebt. Sie eignen sich übrigens sehr gut als Geschenk!

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Lavendel im Mühlengarten
von Melanie Buhl

Das lilafarbene Blütenmeer schwang im Wind sanft hin und her und ließ Lilian die Welt um sich herum vergessen. Die junge Frau mit dem frechen blonden Kurzhaarschnitt lag mitten zwischen den abertausenden Lavendelblüten. Dieser intensive, einschläfernde Duft nahm sie mit auf eine Reise, die sie nie vergessen würde. Sie schloss die schweren Lider und als Lilian sie kurz darauf wieder öffnete und sich aufsetzte, hatt e sich die Welt um sie herum verändert.
Die alte Mühle stand noch an ihrem Platz, aber sie schien nicht mehr baufällig zu sein, nein – sie erstrahlte in herrschaftlicher Pracht, als hätten ihre Besitzer stets ein Auge darauf, sie liebevoll zu restaurieren und ihrem Fachwerk alle nur erdenkliche Pflege zukommen zulassen. Die Holzbalken waren frisch gestrichen und das Gefach dazwischen mit weißer Farbe verputzt. Die kleinen gardinenverhangenen Fenster sorgsam geputzt und mit Blumen geschmückt.
Auf der Bank vor der Mühle schlief eine schwarz-braune Katze. Eine Biene summte um ihren Kopf herum und ließ sie nicht zur Ruhe kommen, immer wieder zuckte die Katze abwehrend mit den Ohren, bis sie schließlich den Störenfried mit einem energischen Tatzenhieb verjagte. Die Biene verzog sich in Richtung Garten. Dieser war nicht mehr verwildert und lavendelüberwuchert, so wie Lilian ihn kannte, er war sorgsam angelegt. In seinen Beeten standen Möhren, Kartoffeln, Grünkohl und so mancherlei anderes kurz vor der Ernte.
Das Kurioseste, was Lilian bemerkte, war, dass die vormals stillgelegte Mühle wieder in Betrieb war. Das Mühlrad drehte sich langsam und kraftvoll und auch der eigentlich längst zugeschüttete Mühlbach führte sein klares Wasser munter von der Eller zur Mühle.
Lilian vernahm nun Summen und Geräusche von arbeitenden Männern. Das Geklapper der Mühle rückte in den Hintergrund. Neben der Mühle, wo sonst die alte Sankt Andreaskirche stand, befand sich eine große Baustelle. Das Sandstein-Mauerwerk, das im Entstehen war, war bereits als Kirche zu erkennen. Alle Seiten standen schon und die Zimmermänner legten gerade die Holzbalken für das Dach auf.
An der westlichen Seite war auch der mächtige Turm über die Hälfte fertig. Maurer standen auf den Gerüsten und wuchteten die riesigen Sandsteine aufeinander. Ein grandioser Anblick!
Lilian stand auf und wollte sich den Bau genauer betrachten. Sie verließ den Mühlgarten und bemerkte, dass sie fremde, etwas altbackene Kleidung trug. Auch ihre Hände sahen anders aus. Rau von harter Arbeit und von der Sonne braun gegerbt. Als sie die kleine Brücke über den Mühlbach betrat, erblickte sie ihr Spiegelbild im Wasser. Sie erschrak! Das war nicht sie, Lilian. Es war eine unbekannte junge Frau mit langen dunklen Haaren, die ihr aus traurigen Augen entgegenblickte. Sie war ihr fremd und doch irgendwie vertraut. Lilian blickte sich um, suchte nach Antworten darauf, was passiert war? War hier niemand der ihr das erklären konnte? Aber der Mühlgarten und die Gärten, die von der Eller am Mühlbach entlang lagen, waren menschenleer.
Ihr Blick schweifte erneut hinüber zu der anderen Seite der Mühle, zu den Männern, die an der Kirche arbeiteten. Sie erstarrte. Dort, den Mann kannte sie. Oder etwa doch nicht? Er stand auf dem Dach der Kirche. Seine kräftigen Zimmermannshände hielten den schweren Hammer in der rechten Hand und ließen ihn in einem stetigen Rhythmus auf die langen Nägel herabsausen. Er war ihr auf eine merkwürdige Art vertraut und doch wusste sie, dass sie ihn noch nie zuvor gesehen hatte. Langes dunkles Haar umrahmte das Gesicht mit den stahlblauen Augen. Etwas in ihr erinnerte sich an seine Stimme, die dunkel und geheimnisvoll wie schwarzer Samt war und die ihr Herz schneller schlagen ließ.
Lilian schritt unsicher weiter über die Brücke, und als sie diese endgültig überquert hatte, war die Erinnerung an Lilian wie weggeblasen.
Sie war Greta, Magd beim kinderlosen Müller Jakob und seiner Frau Maria. Und dort auf dem Dach …

Mordsgeschichten aus dem Eichsfeld und anderswo

Anthologie
Herausgeber: Creativo – Initiativgruppe für Literatur, Wissenschaft und Kunst

Taschenbuch
Erscheinungsjahr: 2016
240 Seiten
Preis: 9,80 €
ISBN: 978-3-935912-48-8

Verlag: Fabuloso Verlag, Bilshausen

Bestellungen: Direkt bei mir oder bei Amazon.

 

Die 6. Creativo-Anthologie „Mordsgeschichten aus dem Eichsfeld und anderswo“ ist die erste Anthologie die ich mit meiner lieben Kollegin Michaela Schreier ins Leben gerufen und bis zur Erscheinung und darüberhinaus betreut habe. Natürlich wurden wir von weiteren Creativos bei der Auswahl der Texte, der Gestaltung und dem Lektorat unterstützt, aber irgendwie ist es „unser Projekt“ geblieben.
Die Mordsgeschichten sind bei den Eichsfeldern, ehemaligen Eichsfeldern, Freunden und Besuchern unserer schönen Heimat sowie auch in anderswo sehr beliebt. Sie eignen sich übrigens sehr gut als Geschenk!

 

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Blutmond
von Melanie Buhl

Riesengroß schien der Mond am Nachthimmel über Karls Heimatort Rüdershausen zu stehen. Er tauchte den kleinen Ort vor ihm in ein mystisches Spiel aus Licht und Schatten. Karl schritt zügig über den neuen Radweg, der die beiden Orte Rhumspringe und Rüdershausen verband. In der Ferne leuchtete das Firmenschild des Malers Stahl und wies ihm den Weg. Viel zu lange hatte er mit seinen Freunden beim Kartenspiel gesessen. Der Neue in der Runde, Franz, kam ihm sonderbar vor. Süffisant lächelnd hatte er über den ganzen Abend gewonnen und den Gewinn großspurig eingestrichen. Immer wieder fielen Bemerkungen, die Karl zusammenzucken ließen. Er habe den einen oder anderen Job zu vergeben, aber nur an mutige Männer, die keine Angst vor der Polizei hätten. Nein, natürlich nichts Illegales. Franz bot sogar an, dass die Freunde sich ihren Spielverlust locker mit einem kleinen Job ausgleichen könnten. Die anderen lachten arglos über diese dubiosen Angebote. Karl, den der Verlust der heutigen Pokerrunde arg schmerzte, hatte kurz darüber nachgedacht, ob er genauer nachfragen sollte, dann aber doch geschwiegen. Er wollte in seiner Situation nicht noch mehr Ärger. Seit Jahren ging alles schief. Seine Frau Hilde war seit einem Autounfall ein Pflegefall. Teilnahmslos lag sie in ihrem weiß bezogenen Bett. Wenn Karl sie im Pflegeheim besuchte, starrte sie wie durch ihn hindurch. Manchmal hatte sie Tränen in den Augen und Karl wünschte, dass sie ihn erkennen möge. Die Ärzte nannten es Wachkoma und machten ihm keine Hoffnung auf Besserung. Der Unfallverursacher hatte sich einfach aus dem Staub gemacht, ohne sich um die schwer verletzte Frau zu kümmern. Ein zufällig vorbeikommender Arzt leistete damals Erste Hilfe, sonst wäre Hilde noch an Ort und Stelle verblutet. Einziger Hinweis war, dass das Unfallfahrzeug von extrem grellgrüner Farbe gewesen sein musste. Laut Polizeiaussage war es keine Standardfarbe irgendeines Herstellers, sondern nachlackiert. Spuren davon konnten an Hildes Wagen sichergestellt werden. Kinder hatten die beiden nicht und in seiner Trauer und Einsamkeit hatte Karl Trost im Alkohol gefunden. Seinen Job als Taxifahrer hatte er dadurch verloren und das Pflegeheim verschlang die letzten Ersparnisse. Mit Gelegenheitsjobs hielt er sich über Wasser. Manchmal stahl er ein paar Lebensmittel – Mundraub, so entschuldigte er sich vor seinem aufkeimenden Gewissen. Die Bestohlenen sahen das leider nicht so locker. Einige Anzeigen gegen ihn liefen schon. Das sprichwörtliche Wasser stieg höher und höher. Es stand ihm bereits bis zum Hals. Hatte er beim Pokern ganz ansehnliche Gewinne gemacht, konnte er davon eine ganze Woche leben. Heute aber hatte ihm dieser dubiose Franz das letzte Hemd ausgezogen und Karl schlich mit leeren Taschen nach Hause. „Es muss was passieren. Irgendwie muss ich zu Geld kommen!“, murmelte er. Im fahlen Mondlicht glitzerte der Tau auf den Wiesen vor Rüdershausen, die als Mahnte bekannt waren. Das lang gezogene Geheul eines Hundes ließ Karl erschrocken zusammenfahren. ,Man könnte meinen, der berüchtigte Mahnehund sei unterwegs um die Bewohner seines Dorfes vor Bösem zu schützen.’ Bei dem Gedanken musste er grinsen. Wen interessieren schon alte Sagen? In den nächsten Wochen ging es mit Karl immer mehr bergab. Schließlich ließ er sich doch auf einen Handel mit Franz ein. Die Spielschulden, die er inzwischen bei ihm angehäuft hatte, ließen ihn zusehends schlechter schlafen. Franz hatte ihm großspurig einen Job besorgt. „Nichts Schwieriges“, hatte er gesagt. Er solle nur zur Rhumebrücke an der kleinen Verbindungsstraße nach Lütgenhausen kommen, ein Päckchen von einem Kurier annehmen und dieses einige Zeit aufbewahren. Dann würde er einen neuen Ort und Termin genannt bekommen, an dem er das besagte Päckchen an einen weiteren Kurier übergeben sollte. Auf Karls neugierige Frage, was denn in dem Päckchen sei, antwortete Franz von oben herab: „Es ist besser, wenn du das nicht weißt!“ „Aber es ist doch nichts Illegales, oder?“, erkundigte sich Karl vorsichtig. Franz lachte schallend: „Nein, natürlich nicht!“ Spöttisch blickte er hinter Karl her. „Wie kann man nur so naiv sein!“ ….

Magisches und Mystisches

Anthologie
Herausgeber: Verein „Respekt für Dich – Autoren gegen Gewalt“

Taschenbuch
Erscheinungsjahr: 2016
280 Seiten
Preis: 11,90 €
ISBN: 978-3-903056572

Verlag: Karina Verlag, Wien

 

Diese Anthologie wurde vom Verein „Respekt für Dich – Autoren gegen Gewalt“ herausgebracht.  Die beteiligten Autorinnen und Autoren haben zugunsten der östereichischen  Gewaltopferhilfe auf ihr Honorar verzichtet.
Von mir findet ihr in diesem Buch einen Auszug aus meinem Roman „Avalons letzter Apfel“.

Im Roman „Avalons letzter Apfel“ geht es um die Priesterinnenausbildung auf der sagenumwobenen Insel der keltischen Mythologie – auf Avalon. Die Ausbildung von Luana, zur Priesterin der Großen Götting steht dabei im Vordergrund. Der Kapitelauszug in „Magisches und Mystisches“ beschreibt eine besondere Begebenheit bei der Luana an die Grenzen der Zeit gerät.

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Land ohne Zeit

Kurz vor Samhain bat Vivienne eines Abends um ein paar Galgantwurzeln, die nicht mehr in den Vorräten zu finden waren. Sie beschrieb Luana in etwa, wo sie diese finden konnte, und die junge Priesterin versprach, sich am nächsten Tag auf den Weg dorthin zu machen.
Gleich nach Sonnenaufgang begann sie ihre Wanderung. Sie folgte genau dem beschriebenen Weg. Aber irgendetwas war merkwürdig. Die Sonne schien keine Kraft zu haben und der Tag wollte nicht richtig beginnen.
Der Nebel auf dem See waberte nicht umher, sondern wirkte wie erstarrt. Zudem war sie noch müde, die Augen brannten und die Aufmerksamkeit fiel ihr schwer. Wurde sie etwa krank? Sobald sie zurück war, musste sie etwas ruhen, nahm sie sich fest vor.
Wie von fremder Hand geführt wandelte Luana auf dem schmalen Weg, der am Seeufer entlangführte. Leise plätscherten die Wellen über die dort liegenden Steine und verursachten durch ihr auf und ab ein monotones Geräusch. Der Nebel wurde spürbar dichter. Kaum konnte man noch ein paar Schritte voraus sehen. Die Herbstsonne drang immer schwerer durch den Nebel hindurch. Sollte sie umkehren? Nein, Vivienne hatte ihr eingeschärft, dass sie die Wurzel unbedingt heute noch bräuchte. Also weitergehen!
Die Luft wurde unangenehm feucht und kalt. Luanas Füße schienen den Weg zu kennen, denn ihre Augen hatten die Orientierung längst verloren. Nur manchmal meinte sie, der Nebel würde sich lichten. Dann konnte sie ein paar Schritte weit sehen und lief schneller voran. Der Weg machte nun eine Biegung. Plötzlich gewahrte Luana eine schemenhafte Gestalt, die an einen Baum gelehnt schien. Wer konnte das sein? Wer wagte sich noch an diesem unwirklichen Morgen vor die Tür? Oder war es etwa schon Mittag?
Die schattenhaften Umrisse des Fremden lösten sich vom Stamm und er kam auf die einsame Wanderin zu. Sie erschrak! Was nun? Fortlaufen?
Dann erkannte sie ihn!
Es war Ewan. Seit wann war er wieder zurück? Sie wollte erst fragen, aber aus irgendeinem Grund kam ihr kein Wort über die Lippen. Er blickte sie wie traumverloren an, sagte auch nichts, sondern fasste die junge Priesterin an der Hand und zog sie bestimmend hinter sich her. Diese verspürte grenzenloses Vertrauen zu dem Druiden und folgte ihm bereitwillig.
Gemeinsam folgten sie dem Pfad durch den Nebel, welcher kein Ende zu nehmen schien.
Wenig später hatte das Zeitgefühl Luana völlig verlassen. Mochten nun Minuten oder Tage vergangen sein, seit sie auf Ewan getroffen war – sie wusste es nicht. Der Druide sprach die ganze Zeit über kein einziges Wort. Auch die Priesterin schwieg. Es gab auch nichts zu sagen. Wo immer er sie hinführte,
es würde schon richtig sein! Sie fühlte, dass sie beide unter der vertrauten Macht der Göttin standen.
Nach Ewigkeiten des Wanderns meinte Luana endlich, ein Licht in der Ferne zu sehen. Sie drückte kurz Ewans Hand, und als der sich zu ihr umwandte, deutete sie auf die Lichterscheinung.
Er nickte unmerklich, da er es auch gesehen hatte. Dort war ihr Ziel, was auch immer es war!
Je näher die beiden kamen, desto mehr umgab sie dieses geheimnisvolle Licht. Ein leiser Gesang lag in der Luft und es duftete nach Maiglöckchen. Im Herbst eigentlich nicht möglich, aber – war es wirklich Herbst? Luana sah sich schlafwandlerisch um. Die Bäume trugen gleichzeitig Blüten und
Früchte. Manche Zweige lagen voller Schnee, andere setzten gerade zarte Knospen an. Welch merkwürdiges Land! …

Und dann ist das Kaninchen gestorben

Anthologie
Herausgeber: Renate Maria Riehemann

Taschenbuch
Erscheinungsjahr: 2016
304 Seiten
Preis: 12,90 €
ISBN: 978-3-86685-577-9

Verlag: Geest Verlag, Vechta

 

Diese Anthologie wurde von Renate Maria Riehemann aus Osterode ins Leben gerufen. Es ist eine Sammlung von Geschichten und Gedichten rund um den Harz, geschrieben von Autoren und Autorinnen die im Harz wohnen oder dem Harz nahestehen. Das Thema  ist die Veränderung des Lebens durch Ereignisse der verschiedensten Art.

Die Beteiligung an dem Projekt war sehr groß, sodass ich echt stolz bin, dabei sein zu dürfen.

Von mir findet ihr in dem Buch mein Gedicht „Näher am Himmel“ .
Da eine Leseprobe von einem Gedicht wenig Sinn macht, hier für euch einfach das ganze Gedicht. Es ist auf einer Wanderung zum Brocken entstanden.

 

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Näher am Himmel

Beschwerlicher Weg zur heiligen Stätte
Hoch über allen Tälern
Gedanken über Gedanken
Wann wirkten hier die letzten Priesterinnen?
Niemand weiß es
Lange ist es her
Sehr lange
Endlich der Gipfel
Fünf Bäume erzählen vom heiligen Grund
Vor undenklich langer Zeit
Haben Menschen hier die Göttin verehrt.

Göttliche Vergesslichkeit

Literaturautomat
Herausgeber: Art Connection & zakk

Box mit Heft
Erscheinungsjahr: 2016
12 Seiten
Preis: 2,00 €
ISBN:

Redaktion: Ch. Brinkmann / P. Granderath

 

Göttliche Vergesslichkeit ist eine Kurzgeschichte über eine ältere Frau, die den Sinn und die kleinen Freuden des Lebens scheinbar aus den Augen verloren hat. Inspiriert wurde ich zu dieser Geschichte von meiner lieben Uromi, die leider schon lange verstorben ist. Letztendlich hat der liebe Gott sie als doch nicht vergessen.

 

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Göttliche Vergesslichkeit

„76 … 77 … 78 … 87 ach schon wieder verzählt!“ Rose ließ das Strickzeug sinken. Die Konzentration fiel ihr immer schwerer. Oft saß sie nur da und schwelgte in Erinnerungen an früher. Früher, als alles besser war, als sie jung war, als Will noch lebte, als ihre Tochter klein war, als sie das Haus bauten, als der Krieg begann und wieder endete. Das Leid, das der Krieg mit sich gebracht hatte, blendete sie gekonnt aus.
„Ach Will!“ dachte Rose traurig. Die tückische Krankheit hatte ihnen kein langes gemeinsames Leben gegönnt. Selbst ihre Tochter hatte sie inzwischen zu Grabe getragen.
So saß Rose von Tag zu Tag allein in ihrer Wohnung, strickte und sah aus dem Fenster. „Der liebe Gott hat mich sicher vergessen“, dachte sie oft. „Es ist längst an der Zeit, dass ich meinen Will im Himmel wiedersehe.“ …

Wohin dich die Sehnsucht treibt

Anthologie
Herausgeber: Creativo – Initiativgruppe für Literatur, Wissenschaft und Kunst

Taschenbuch
Erscheinungsjahr: 2015
198 Seiten
Preis: 9,80 €
ISBN:  978-3-945346-28-0

Verlag: Fabuloso Verlag, Bilshausen

Bestellungen: Direkt bei mir oder bei Amazon.

 

In dieser Creativo-Anthologie sind von mir gleich zwei Geschichten enthalten. Einmal die Geschichte „Land ohne Zeit“ aus Avalons letzter Apfel; in einer etwas längeren Version als in „Magisches und Mystisches„.
Und zweitens die Traumreise „Imzadiha“ die von schwierigen Entscheidungen des Lebens und dass man seinem Herzen, seiner Intuition vertrauen sollte, erzählt. Der Name Imzadiha bedeutet in diesem Fall  „Seelenverwandte/r.

 

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Imzadiha

Der Wald den ich durchwanderte, lag in tiefem Nebel. Kaum eine Handbreit weit konnte ich sehen. Die Klamotten schon ganz feucht vom Nebel tastete ich mich unsicher von Baum zu Baum. Den Blick immer nach unten gewandt, um ja den Weg nicht zu verlieren. Seit einer gefühlten Ewigkeit war ich unterwegs. Ich wusste nicht wohin und auch nicht woher ich kam. Alles lag im Nebel, genau wie der Wald.
Bei einem vorsichtigen Blick nach vorn bemerkte ich, dass in der Ferne etwas Licht durch die Wipfel der Bäume zu kommen und den Nebel aufzusaugen schien. Ich bewegte mich darauf zu und kam an eine Lichtung. Die Bäume hatten hier einen fast perfekten Kreis gebildet. An seinem inneren Rand ragten fünf riesige Steine in gleichmäßigem Abstand in die Höhe. Plattgetretenes Gras markierte einen Pfad der die Monolithen verband.
Schlafwandlerisch näherte ich mich einem der Steine und bemerkte fremdartige Inschriften auf ihm. Mit den Fingern fuhr ich die Linien nach und überlegte, was sie wohl bedeuten könnten. Unter meinen Händen spürte ich eine wohlige Wärme, als wenn der Stein lebte.
Es raschelte in der Mitte des Steinkreises und ich drehte mich erschrocken um. Nichts!
Neugierig folgte ich nun dem Pfad von einem Stein zum nächsten und studierte aufmerksam die Inschriften. Keine von ihnen konnte ich entziffern. Trotzdem hatte ich das Gefühl, sie hätten mir etwas Wichtiges zu sagen.
Ratlos war ich wieder beim ersten Monolith angelangt und ließ mich ins Gras nieder. Wo war ich nur? Was war das für ein merkwürdiger Wald? …

Jedes Wort ein Atemzug – Geschichten aus aller Welt

Anthologie
Herausgeber: Verein „Respekt für Dich“ Autoren gegen Gewalt

Taschenbuch
Erscheinungsjahr: 2014
260 Seiten
Preis: 18,90 €
ISBN:978-3950386264

Verlag: Karina Verlag, Wien

 

An dieser Buchreihe haben sich 143 Autoren aus ganz Europa beteiligt. Es ist ein gemeinschaftlicher Weg gegen Gewalt. Der Erlös fließt in die Gewaltopferhilfe und unterstützt die Autonomen Österreichischen Frauenhäuser und „GewaltfreiLeben“. In diesem Band finden sich Kurzgeschichten aus der ganzen Welt. Schöne, traurige, kurzweilige, welche zum Nachdenken, witzige und Einfühlsame. Ein Werk, das für gute Unterhaltung und Entspannung sorgt.

Von mir gibt es in dieser Anthologie die gekürzte Fassung des 5. Kapitels aus dem Roman „Melodie der Ewigkeit“

 

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Marleen –
Erinnerung an einen Apfelbaum

Die kleine Marleen sprang mit ihrer großen orangegelben Gießkanne durch den Garten. Wenn die Kanne ganz voll war, konnte Marleen sie fast nicht tragen. Immer wieder pladderte das Wasser heraus und ihre Füße in den roten Sandalen waren schon ganz nass. Die bunten Söckchen klebten an den Zehen, aber das machte Marleen gar nichts aus. Ja, sie merkte nicht einmal richtig, wie nass sie schon war. Wichtig war ihr nur, dass sie helfen konnte. Sie goss die Blumen im Beet und die Büsche, welche den Rasen vom Gemüsegarten trennten. Manchmal wässerte sie auch die Brennnesseln mit ihren zarten weißen Blüten, die immer wieder am Zaun zum Nachbargarten wucherten. Am ausgiebigsten bedachte sie aber stets den alten Apfelbaum. Er stand mitten im gepflegten Rasen. Seine ausladenden Äste wiegten sich im Wind. Manchmal, wenn eine kleine Apfelblüte herabfiel, hob Marleen sie auf und schnupperte daran. Wie gut das duftete.
Heute lief sie mit ihrer Gießkanne immer im Kreis um den Baum herum. Die Kanne hatte eine Brause vorn auf der Öffnung, damit konnte man prima Regen machen. Während die Kanne immer leerer wurde, sang Marleen die ganze Zeit ein Lied vor sich hin. Es hatte nur ein einziges Wort, aber die Melodie wechselte mit jeder Runde, die sie um den Baum drehte. Es klang mal lustig und beschwingt und dann wieder traurig und nachdenklich. Manchmal wurde sie ganz leise und manchmal klang die ganze Kraft ihrer jungen Stimme in der Melodie mit.

„Apfelbäumchen, Apfelbäumchen, Apfelbäumchen …“

Die Kanne war nun leer. Sie hüpfte zum Wasserhahn, der am Regenwassertank angeschlossen war, und füllte die Kanne erneut. Sie wollte gerade wieder zum Apfelbaum laufen, als Oma Elisa sie rief: „Marleen, der Baum hat genug Wasser! Komm lieber hierher und gieß die jungen Erbsen und die neuen Erdbeerpflanzen!“
Marleen lief den Weg hinauf zu ihrer Oma. Ganz bedächtig goss sie nun die frisch gepflanzten kleinen Blättchen.
„Ist es so richtig, Oma?“
„Ja, so ist es gut. Wenn du damit fertig bist, kannst du mir noch die Harke aus dem Schuppen holen.“
Marleen nickte und machte sich auf den Weg zum Schuppen. Dort hingen an der Wand die Gartengeräte – schön aufgereiht. Marleen schnappte sich die grüne Harke und lief zurück zu Oma Elisa.
„Hier, Oma, die Harke!“
„Danke, Marleen.“ Omas Blick fiel plötzlich auf Marleens Füße. „Ja, wie siehst du denn aus? Hast du dich selbst gegossen? Deine Schuhe und die Füße – es ist ja alles ganz nass! Lauf schnell rein und zieh dir trockene Socken an. Du weißt ja, wo die Sachen liegen. Die Schuhe kannst du in die Sonne stellen. Die werden bald wieder trocken sein.“
„Ooch, ich wollte dir doch noch helfen“, maulte Marleen. …

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