Melanie Buhl

Autorin

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Fachwerkgeflüster aus dem Eichsfeld und anderswo

Anthologie
Herausgeber: Creativo – Initiativgruppe für Literatur, Wissenschaft und Kunst

Taschenbuch
Erscheinungsjahr: 2017
250 Seiten
Preis: 9,80 €
ISBN: 978-3-945346-63-1

Verlag: Fabuloso Verlag, Bilshausen

Die 7. Creativo-Anthologie „Fachwerkgeflüster aus dem Eichsfeld und anderswo“ ist die zweite Anthologie die ich mit meiner lieben Kollegin Michaela Schreier ins Leben gerufen und bis zur Erscheinung und darüberhinaus betreut habe. Natürlich wurden wir von weiteren Creativos bei der Auswahl der Texte, der Gestaltung und dem Lektorat unterstützt, aber irgendwie ist auch dieses Buch „unser Projekt“ geblieben.

Die Geschichten, die Fachwerkhäuser erzählen könnten, und die wir für diese Anthologie verfasst haben, sind sehr vielfältig. Mystisches, Spannendes, Lustiges und Trauriges wechseln sich ab in Form von Kurzgeschichten, Erzählungen und Lyrik.
Die Fachwerkgeschichten sind bei den Eichsfeldern, ehemaligen Eichsfeldern, Freunden und Besuchern unserer schönen Heimat sowie auch in anderswo sehr beliebt. Sie eignen sich übrigens sehr gut als Geschenk!

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Lavendel im Mühlengarten
von Melanie Buhl

Das lilafarbene Blütenmeer schwang im Wind sanft hin und her und ließ Lilian die Welt um sich herum vergessen. Die junge Frau mit dem frechen blonden Kurzhaarschnitt lag mitten zwischen den abertausenden Lavendelblüten. Dieser intensive, einschläfernde Duft nahm sie mit auf eine Reise, die sie nie vergessen würde. Sie schloss die schweren Lider und als Lilian sie kurz darauf wieder öffnete und sich aufsetzte, hatt e sich die Welt um sie herum verändert.
Die alte Mühle stand noch an ihrem Platz, aber sie schien nicht mehr baufällig zu sein, nein – sie erstrahlte in herrschaftlicher Pracht, als hätten ihre Besitzer stets ein Auge darauf, sie liebevoll zu restaurieren und ihrem Fachwerk alle nur erdenkliche Pflege zukommen zulassen. Die Holzbalken waren frisch gestrichen und das Gefach dazwischen mit weißer Farbe verputzt. Die kleinen gardinenverhangenen Fenster sorgsam geputzt und mit Blumen geschmückt.
Auf der Bank vor der Mühle schlief eine schwarz-braune Katze. Eine Biene summte um ihren Kopf herum und ließ sie nicht zur Ruhe kommen, immer wieder zuckte die Katze abwehrend mit den Ohren, bis sie schließlich den Störenfried mit einem energischen Tatzenhieb verjagte. Die Biene verzog sich in Richtung Garten. Dieser war nicht mehr verwildert und lavendelüberwuchert, so wie Lilian ihn kannte, er war sorgsam angelegt. In seinen Beeten standen Möhren, Kartoffeln, Grünkohl und so mancherlei anderes kurz vor der Ernte.
Das Kurioseste, was Lilian bemerkte, war, dass die vormals stillgelegte Mühle wieder in Betrieb war. Das Mühlrad drehte sich langsam und kraftvoll und auch der eigentlich längst zugeschüttete Mühlbach führte sein klares Wasser munter von der Eller zur Mühle.
Lilian vernahm nun Summen und Geräusche von arbeitenden Männern. Das Geklapper der Mühle rückte in den Hintergrund. Neben der Mühle, wo sonst die alte Sankt Andreaskirche stand, befand sich eine große Baustelle. Das Sandstein-Mauerwerk, das im Entstehen war, war bereits als Kirche zu erkennen. Alle Seiten standen schon und die Zimmermänner legten gerade die Holzbalken für das Dach auf.
An der westlichen Seite war auch der mächtige Turm über die Hälfte fertig. Maurer standen auf den Gerüsten und wuchteten die riesigen Sandsteine aufeinander. Ein grandioser Anblick!
Lilian stand auf und wollte sich den Bau genauer betrachten. Sie verließ den Mühlgarten und bemerkte, dass sie fremde, etwas altbackene Kleidung trug. Auch ihre Hände sahen anders aus. Rau von harter Arbeit und von der Sonne braun gegerbt. Als sie die kleine Brücke über den Mühlbach betrat, erblickte sie ihr Spiegelbild im Wasser. Sie erschrak! Das war nicht sie, Lilian. Es war eine unbekannte junge Frau mit langen dunklen Haaren, die ihr aus traurigen Augen entgegenblickte. Sie war ihr fremd und doch irgendwie vertraut. Lilian blickte sich um, suchte nach Antworten darauf, was passiert war? War hier niemand der ihr das erklären konnte? Aber der Mühlgarten und die Gärten, die von der Eller am Mühlbach entlang lagen, waren menschenleer.
Ihr Blick schweifte erneut hinüber zu der anderen Seite der Mühle, zu den Männern, die an der Kirche arbeiteten. Sie erstarrte. Dort, den Mann kannte sie. Oder etwa doch nicht? Er stand auf dem Dach der Kirche. Seine kräftigen Zimmermannshände hielten den schweren Hammer in der rechten Hand und ließen ihn in einem stetigen Rhythmus auf die langen Nägel herabsausen. Er war ihr auf eine merkwürdige Art vertraut und doch wusste sie, dass sie ihn noch nie zuvor gesehen hatte. Langes dunkles Haar umrahmte das Gesicht mit den stahlblauen Augen. Etwas in ihr erinnerte sich an seine Stimme, die dunkel und geheimnisvoll wie schwarzer Samt war und die ihr Herz schneller schlagen ließ.
Lilian schritt unsicher weiter über die Brücke, und als sie diese endgültig überquert hatte, war die Erinnerung an Lilian wie weggeblasen.
Sie war Greta, Magd beim kinderlosen Müller Jakob und seiner Frau Maria. Und dort auf dem Dach …

Mordsgeschichten aus dem Eichsfeld und anderswo

Anthologie
Herausgeber: Creativo – Initiativgruppe für Literatur, Wissenschaft und Kunst

Taschenbuch
Erscheinungsjahr: 2016
240 Seiten
Preis: 9,80 €
ISBN: 978-3-935912-48-8

Verlag: Fabuloso Verlag, Bilshausen

 

Die 6. Creativo-Anthologie „Mordsgeschichten aus dem Eichsfeld und anderswo“ ist die erste Anthologie die ich mit meiner lieben Kollegin Michaela Schreier ins Leben gerufen und bis zur Erscheinung und darüberhinaus betreut habe. Natürlich wurden wir von weiteren Creativos bei der Auswahl der Texte, der Gestaltung und dem Lektorat unterstützt, aber irgendwie ist es „unser Projekt“ geblieben.
Die Mordsgeschichten sind bei den Eichsfeldern, ehemaligen Eichsfeldern, Freunden und Besuchern unserer schönen Heimat sowie auch in anderswo sehr beliebt. Sie eignen sich übrigens sehr gut als Geschenk!

 

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Blutmond
von Melanie Buhl

Riesengroß schien der Mond am Nachthimmel über Karls Heimatort Rüdershausen zu stehen. Er tauchte den kleinen Ort vor ihm in ein mystisches Spiel aus Licht und Schatten. Karl schritt zügig über den neuen Radweg, der die beiden Orte Rhumspringe und Rüdershausen verband. In der Ferne leuchtete das Firmenschild des Malers Stahl und wies ihm den Weg. Viel zu lange hatte er mit seinen Freunden beim Kartenspiel gesessen. Der Neue in der Runde, Franz, kam ihm sonderbar vor. Süffisant lächelnd hatte er über den ganzen Abend gewonnen und den Gewinn großspurig eingestrichen. Immer wieder fielen Bemerkungen, die Karl zusammenzucken ließen. Er habe den einen oder anderen Job zu vergeben, aber nur an mutige Männer, die keine Angst vor der Polizei hätten. Nein, natürlich nichts Illegales. Franz bot sogar an, dass die Freunde sich ihren Spielverlust locker mit einem kleinen Job ausgleichen könnten. Die anderen lachten arglos über diese dubiosen Angebote. Karl, den der Verlust der heutigen Pokerrunde arg schmerzte, hatte kurz darüber nachgedacht, ob er genauer nachfragen sollte, dann aber doch geschwiegen. Er wollte in seiner Situation nicht noch mehr Ärger. Seit Jahren ging alles schief. Seine Frau Hilde war seit einem Autounfall ein Pflegefall. Teilnahmslos lag sie in ihrem weiß bezogenen Bett. Wenn Karl sie im Pflegeheim besuchte, starrte sie wie durch ihn hindurch. Manchmal hatte sie Tränen in den Augen und Karl wünschte, dass sie ihn erkennen möge. Die Ärzte nannten es Wachkoma und machten ihm keine Hoffnung auf Besserung. Der Unfallverursacher hatte sich einfach aus dem Staub gemacht, ohne sich um die schwer verletzte Frau zu kümmern. Ein zufällig vorbeikommender Arzt leistete damals Erste Hilfe, sonst wäre Hilde noch an Ort und Stelle verblutet. Einziger Hinweis war, dass das Unfallfahrzeug von extrem grellgrüner Farbe gewesen sein musste. Laut Polizeiaussage war es keine Standardfarbe irgendeines Herstellers, sondern nachlackiert. Spuren davon konnten an Hildes Wagen sichergestellt werden. Kinder hatten die beiden nicht und in seiner Trauer und Einsamkeit hatte Karl Trost im Alkohol gefunden. Seinen Job als Taxifahrer hatte er dadurch verloren und das Pflegeheim verschlang die letzten Ersparnisse. Mit Gelegenheitsjobs hielt er sich über Wasser. Manchmal stahl er ein paar Lebensmittel – Mundraub, so entschuldigte er sich vor seinem aufkeimenden Gewissen. Die Bestohlenen sahen das leider nicht so locker. Einige Anzeigen gegen ihn liefen schon. Das sprichwörtliche Wasser stieg höher und höher. Es stand ihm bereits bis zum Hals. Hatte er beim Pokern ganz ansehnliche Gewinne gemacht, konnte er davon eine ganze Woche leben. Heute aber hatte ihm dieser dubiose Franz das letzte Hemd ausgezogen und Karl schlich mit leeren Taschen nach Hause. „Es muss was passieren. Irgendwie muss ich zu Geld kommen!“, murmelte er. Im fahlen Mondlicht glitzerte der Tau auf den Wiesen vor Rüdershausen, die als Mahnte bekannt waren. Das lang gezogene Geheul eines Hundes ließ Karl erschrocken zusammenfahren. ,Man könnte meinen, der berüchtigte Mahnehund sei unterwegs um die Bewohner seines Dorfes vor Bösem zu schützen.’ Bei dem Gedanken musste er grinsen. Wen interessieren schon alte Sagen? In den nächsten Wochen ging es mit Karl immer mehr bergab. Schließlich ließ er sich doch auf einen Handel mit Franz ein. Die Spielschulden, die er inzwischen bei ihm angehäuft hatte, ließen ihn zusehends schlechter schlafen. Franz hatte ihm großspurig einen Job besorgt. „Nichts Schwieriges“, hatte er gesagt. Er solle nur zur Rhumebrücke an der kleinen Verbindungsstraße nach Lütgenhausen kommen, ein Päckchen von einem Kurier annehmen und dieses einige Zeit aufbewahren. Dann würde er einen neuen Ort und Termin genannt bekommen, an dem er das besagte Päckchen an einen weiteren Kurier übergeben sollte. Auf Karls neugierige Frage, was denn in dem Päckchen sei, antwortete Franz von oben herab: „Es ist besser, wenn du das nicht weißt!“ „Aber es ist doch nichts Illegales, oder?“, erkundigte sich Karl vorsichtig. Franz lachte schallend: „Nein, natürlich nicht!“ Spöttisch blickte er hinter Karl her. „Wie kann man nur so naiv sein!“ ….

Magisches und Mystisches

Anthologie
Herausgeber: Verein „Respekt für Dich – Autoren gegen Gewalt“

Taschenbuch
Erscheinungsjahr: 2016
280 Seiten
Preis: 11,90 €
ISBN: 978-3-903056572

Verlag: Karina Verlag, Wien

 

Diese Anthologie wurde vom Verein „Respekt für Dich – Autoren gegen Gewalt“ herausgebracht.  Die beteiligten Autorinnen und Autoren haben zugunsten der östereichischen  Gewaltopferhilfe auf ihr Honorar verzichtet.
Von mir findet ihr in diesem Buch einen Auszug aus meinem Roman „Avalons letzter Apfel“.

Im Roman „Avalons letzter Apfel“ geht es um die Priesterinnenausbildung auf der sagenumwobenen Insel der keltischen Mythologie – auf Avalon. Die Ausbildung von Luana, zur Priesterin der Großen Götting steht dabei im Vordergrund. Der Kapitelauszug in „Magisches und Mystisches“ beschreibt eine besondere Begebenheit bei der Luana an die Grenzen der Zeit gerät.

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Land ohne Zeit

Kurz vor Samhain bat Vivienne eines Abends um ein paar Galgantwurzeln, die nicht mehr in den Vorräten zu finden waren. Sie beschrieb Luana in etwa, wo sie diese finden konnte, und die junge Priesterin versprach, sich am nächsten Tag auf den Weg dorthin zu machen.
Gleich nach Sonnenaufgang begann sie ihre Wanderung. Sie folgte genau dem beschriebenen Weg. Aber irgendetwas war merkwürdig. Die Sonne schien keine Kraft zu haben und der Tag wollte nicht richtig beginnen.
Der Nebel auf dem See waberte nicht umher, sondern wirkte wie erstarrt. Zudem war sie noch müde, die Augen brannten und die Aufmerksamkeit fiel ihr schwer. Wurde sie etwa krank? Sobald sie zurück war, musste sie etwas ruhen, nahm sie sich fest vor.
Wie von fremder Hand geführt wandelte Luana auf dem schmalen Weg, der am Seeufer entlangführte. Leise plätscherten die Wellen über die dort liegenden Steine und verursachten durch ihr auf und ab ein monotones Geräusch. Der Nebel wurde spürbar dichter. Kaum konnte man noch ein paar Schritte voraus sehen. Die Herbstsonne drang immer schwerer durch den Nebel hindurch. Sollte sie umkehren? Nein, Vivienne hatte ihr eingeschärft, dass sie die Wurzel unbedingt heute noch bräuchte. Also weitergehen!
Die Luft wurde unangenehm feucht und kalt. Luanas Füße schienen den Weg zu kennen, denn ihre Augen hatten die Orientierung längst verloren. Nur manchmal meinte sie, der Nebel würde sich lichten. Dann konnte sie ein paar Schritte weit sehen und lief schneller voran. Der Weg machte nun eine Biegung. Plötzlich gewahrte Luana eine schemenhafte Gestalt, die an einen Baum gelehnt schien. Wer konnte das sein? Wer wagte sich noch an diesem unwirklichen Morgen vor die Tür? Oder war es etwa schon Mittag?
Die schattenhaften Umrisse des Fremden lösten sich vom Stamm und er kam auf die einsame Wanderin zu. Sie erschrak! Was nun? Fortlaufen?
Dann erkannte sie ihn!
Es war Ewan. Seit wann war er wieder zurück? Sie wollte erst fragen, aber aus irgendeinem Grund kam ihr kein Wort über die Lippen. Er blickte sie wie traumverloren an, sagte auch nichts, sondern fasste die junge Priesterin an der Hand und zog sie bestimmend hinter sich her. Diese verspürte grenzenloses Vertrauen zu dem Druiden und folgte ihm bereitwillig.
Gemeinsam folgten sie dem Pfad durch den Nebel, welcher kein Ende zu nehmen schien.
Wenig später hatte das Zeitgefühl Luana völlig verlassen. Mochten nun Minuten oder Tage vergangen sein, seit sie auf Ewan getroffen war – sie wusste es nicht. Der Druide sprach die ganze Zeit über kein einziges Wort. Auch die Priesterin schwieg. Es gab auch nichts zu sagen. Wo immer er sie hinführte,
es würde schon richtig sein! Sie fühlte, dass sie beide unter der vertrauten Macht der Göttin standen.
Nach Ewigkeiten des Wanderns meinte Luana endlich, ein Licht in der Ferne zu sehen. Sie drückte kurz Ewans Hand, und als der sich zu ihr umwandte, deutete sie auf die Lichterscheinung.
Er nickte unmerklich, da er es auch gesehen hatte. Dort war ihr Ziel, was auch immer es war!
Je näher die beiden kamen, desto mehr umgab sie dieses geheimnisvolle Licht. Ein leiser Gesang lag in der Luft und es duftete nach Maiglöckchen. Im Herbst eigentlich nicht möglich, aber – war es wirklich Herbst? Luana sah sich schlafwandlerisch um. Die Bäume trugen gleichzeitig Blüten und
Früchte. Manche Zweige lagen voller Schnee, andere setzten gerade zarte Knospen an. Welch merkwürdiges Land! …

Und dann ist das Kaninchen gestorben

Anthologie
Herausgeber: Renate Maria Riehemann

Taschenbuch
Erscheinungsjahr: 2016
304 Seiten
Preis: 12,90 €
ISBN: 978-3-86685-577-9

Verlag: Geest Verlag, Vechta

 

Diese Anthologie wurde von Renate Maria Riehemann aus Osterode ins Leben gerufen. Es ist eine Sammlung von Geschichten und Gedichten rund um den Harz, geschrieben von Autoren und Autorinnen die im Harz wohnen oder dem Harz nahestehen. Das Thema  ist die Veränderung des Lebens durch Ereignisse der verschiedensten Art.

Die Beteiligung an dem Projekt war sehr groß, sodass ich echt stolz bin, dabei sein zu dürfen.

Von mir findet ihr in dem Buch mein Gedicht „Näher am Himmel“ .
Da eine Leseprobe von einem Gedicht wenig Sinn macht, hier für euch einfach das ganze Gedicht. Es ist auf einer Wanderung zum Brocken entstanden.

 

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Näher am Himmel

Beschwerlicher Weg zur heiligen Stätte
Hoch über allen Tälern
Gedanken über Gedanken
Wann wirkten hier die letzten Priesterinnen?
Niemand weiß es
Lange ist es her
Sehr lange
Endlich der Gipfel
Fünf Bäume erzählen vom heiligen Grund
Vor undenklich langer Zeit
Haben Menschen hier die Göttin verehrt.

Göttliche Vergesslichkeit

Literaturautomat
Herausgeber: Art Connection & zakk

Box mit Heft
Erscheinungsjahr: 2016
12 Seiten
Preis: 2,00 €
ISBN:

Redaktion: Ch. Brinkmann / P. Granderath

 

Göttliche Vergesslichkeit ist eine Kurzgeschichte über eine ältere Frau, die den Sinn und die kleinen Freuden des Lebens scheinbar aus den Augen verloren hat. Inspiriert wurde ich zu dieser Geschichte von meiner lieben Uromi, die leider schon lange verstorben ist. Letztendlich hat der liebe Gott sie als doch nicht vergessen.

 

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Göttliche Vergesslichkeit

„76 … 77 … 78 … 87 ach schon wieder verzählt!“ Rose ließ das Strickzeug sinken. Die Konzentration fiel ihr immer schwerer. Oft saß sie nur da und schwelgte in Erinnerungen an früher. Früher, als alles besser war, als sie jung war, als Will noch lebte, als ihre Tochter klein war, als sie das Haus bauten, als der Krieg begann und wieder endete. Das Leid, das der Krieg mit sich gebracht hatte, blendete sie gekonnt aus.
„Ach Will!“ dachte Rose traurig. Die tückische Krankheit hatte ihnen kein langes gemeinsames Leben gegönnt. Selbst ihre Tochter hatte sie inzwischen zu Grabe getragen.
So saß Rose von Tag zu Tag allein in ihrer Wohnung, strickte und sah aus dem Fenster. „Der liebe Gott hat mich sicher vergessen“, dachte sie oft. „Es ist längst an der Zeit, dass ich meinen Will im Himmel wiedersehe.“ …

Wohin dich die Sehnsucht treibt

Anthologie
Herausgeber: Creativo – Initiativgruppe für Literatur, Wissenschaft und Kunst

Taschenbuch
Erscheinungsjahr: 2015
198 Seiten
Preis: 9,80 €
ISBN:  978-3-945346-28-0

Verlag: Fabuloso Verlag, Bilshausen

 

In dieser Creativo-Anthologie sind von mir gleich zwei Geschichten enthalten. Einmal die Geschichte „Land ohne Zeit“ aus Avalons letzter Apfel; in einer etwas längeren Version als in „Magisches und Mystisches„.
Und zweitens die Traumreise „Imzadiha“ die von schwierigen Entscheidungen des Lebens und dass man seinem Herzen, seiner Intuition vertrauen sollte, erzählt. Der Name Imzadiha bedeutet in diesem Fall  „Seelenverwandte/r.

 

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Imzadiha

Der Wald den ich durchwanderte, lag in tiefem Nebel. Kaum eine Handbreit weit konnte ich sehen. Die Klamotten schon ganz feucht vom Nebel tastete ich mich unsicher von Baum zu Baum. Den Blick immer nach unten gewandt, um ja den Weg nicht zu verlieren. Seit einer gefühlten Ewigkeit war ich unterwegs. Ich wusste nicht wohin und auch nicht woher ich kam. Alles lag im Nebel, genau wie der Wald.
Bei einem vorsichtigen Blick nach vorn bemerkte ich, dass in der Ferne etwas Licht durch die Wipfel der Bäume zu kommen und den Nebel aufzusaugen schien. Ich bewegte mich darauf zu und kam an eine Lichtung. Die Bäume hatten hier einen fast perfekten Kreis gebildet. An seinem inneren Rand ragten fünf riesige Steine in gleichmäßigem Abstand in die Höhe. Plattgetretenes Gras markierte einen Pfad der die Monolithen verband.
Schlafwandlerisch näherte ich mich einem der Steine und bemerkte fremdartige Inschriften auf ihm. Mit den Fingern fuhr ich die Linien nach und überlegte, was sie wohl bedeuten könnten. Unter meinen Händen spürte ich eine wohlige Wärme, als wenn der Stein lebte.
Es raschelte in der Mitte des Steinkreises und ich drehte mich erschrocken um. Nichts!
Neugierig folgte ich nun dem Pfad von einem Stein zum nächsten und studierte aufmerksam die Inschriften. Keine von ihnen konnte ich entziffern. Trotzdem hatte ich das Gefühl, sie hätten mir etwas Wichtiges zu sagen.
Ratlos war ich wieder beim ersten Monolith angelangt und ließ mich ins Gras nieder. Wo war ich nur? Was war das für ein merkwürdiger Wald? …

Jedes Wort ein Atemzug – Geschichten aus aller Welt

Anthologie
Herausgeber: Verein „Respekt für Dich“ Autoren gegen Gewalt

Taschenbuch
Erscheinungsjahr: 2014
260 Seiten
Preis: 18,90 €
ISBN:978-3950386264

Verlag: Karina Verlag, Wien

 

An dieser Buchreihe haben sich 143 Autoren aus ganz Europa beteiligt. Es ist ein gemeinschaftlicher Weg gegen Gewalt. Der Erlös fließt in die Gewaltopferhilfe und unterstützt die Autonomen Österreichischen Frauenhäuser und „GewaltfreiLeben“. In diesem Band finden sich Kurzgeschichten aus der ganzen Welt. Schöne, traurige, kurzweilige, welche zum Nachdenken, witzige und Einfühlsame. Ein Werk, das für gute Unterhaltung und Entspannung sorgt.

Von mir gibt es in dieser Anthologie die gekürzte Fassung des 5. Kapitels aus dem Roman „Melodie der Ewigkeit“

 

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Marleen –
Erinnerung an einen Apfelbaum

Die kleine Marleen sprang mit ihrer großen orangegelben Gießkanne durch den Garten. Wenn die Kanne ganz voll war, konnte Marleen sie fast nicht tragen. Immer wieder pladderte das Wasser heraus und ihre Füße in den roten Sandalen waren schon ganz nass. Die bunten Söckchen klebten an den Zehen, aber das machte Marleen gar nichts aus. Ja, sie merkte nicht einmal richtig, wie nass sie schon war. Wichtig war ihr nur, dass sie helfen konnte. Sie goss die Blumen im Beet und die Büsche, welche den Rasen vom Gemüsegarten trennten. Manchmal wässerte sie auch die Brennnesseln mit ihren zarten weißen Blüten, die immer wieder am Zaun zum Nachbargarten wucherten. Am ausgiebigsten bedachte sie aber stets den alten Apfelbaum. Er stand mitten im gepflegten Rasen. Seine ausladenden Äste wiegten sich im Wind. Manchmal, wenn eine kleine Apfelblüte herabfiel, hob Marleen sie auf und schnupperte daran. Wie gut das duftete.
Heute lief sie mit ihrer Gießkanne immer im Kreis um den Baum herum. Die Kanne hatte eine Brause vorn auf der Öffnung, damit konnte man prima Regen machen. Während die Kanne immer leerer wurde, sang Marleen die ganze Zeit ein Lied vor sich hin. Es hatte nur ein einziges Wort, aber die Melodie wechselte mit jeder Runde, die sie um den Baum drehte. Es klang mal lustig und beschwingt und dann wieder traurig und nachdenklich. Manchmal wurde sie ganz leise und manchmal klang die ganze Kraft ihrer jungen Stimme in der Melodie mit.

„Apfelbäumchen, Apfelbäumchen, Apfelbäumchen …“

Die Kanne war nun leer. Sie hüpfte zum Wasserhahn, der am Regenwassertank angeschlossen war, und füllte die Kanne erneut. Sie wollte gerade wieder zum Apfelbaum laufen, als Oma Elisa sie rief: „Marleen, der Baum hat genug Wasser! Komm lieber hierher und gieß die jungen Erbsen und die neuen Erdbeerpflanzen!“
Marleen lief den Weg hinauf zu ihrer Oma. Ganz bedächtig goss sie nun die frisch gepflanzten kleinen Blättchen.
„Ist es so richtig, Oma?“
„Ja, so ist es gut. Wenn du damit fertig bist, kannst du mir noch die Harke aus dem Schuppen holen.“
Marleen nickte und machte sich auf den Weg zum Schuppen. Dort hingen an der Wand die Gartengeräte – schön aufgereiht. Marleen schnappte sich die grüne Harke und lief zurück zu Oma Elisa.
„Hier, Oma, die Harke!“
„Danke, Marleen.“ Omas Blick fiel plötzlich auf Marleens Füße. „Ja, wie siehst du denn aus? Hast du dich selbst gegossen? Deine Schuhe und die Füße – es ist ja alles ganz nass! Lauf schnell rein und zieh dir trockene Socken an. Du weißt ja, wo die Sachen liegen. Die Schuhe kannst du in die Sonne stellen. Die werden bald wieder trocken sein.“
„Ooch, ich wollte dir doch noch helfen“, maulte Marleen. …

Bist auch Du so? Bös – Artigkeiten

Anthologie
Herausgeber: Creativo – Initiativgruppe für Literatur, Wissenschaft und Kunst

Taschenbuch
Erscheinungsjahr: 2012
152 Seiten
Preis: 10,00€
ISBN: 978-3-935912-70-9

Verlag: Fabuloso Verlag, Bilshausen

 

 

In dieser Anthologie findet ihr von mir mein Gedicht „Gedanken zu Lilith“ und die Kurzgeschichte „Seelenfinsternis“.
„Seelenfinsternis“ gehört inhaltlich in meinen ersten Roman Melodie der Ewigkeit, der von Maline beziehungsweise Jeanne erzählt wird. Die vorliegende Kurzgeschichte dagegen erzählt einen Teil des Romans aus Ramons Sicht. Ramon ist der Bruder von Jeanne und mitverantwortlich für ihr trauriges Schicksal.
Wegen der nicht passenden Erzählperspektive wurde dieser Teil damals nicht mit in den Roman aufgenommen. Mir ließ Ramons Geschichte jedoch keine Ruhe und sie fand glücklicherweise einen Platz in der Creativo Anthologie „Bösartigkeiten“, die mittlerweile aber fast vergriffen ist.

 

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Seelenfinsternis

Ramon hasste sie so sehr. Alles hatte sie kaputtgemacht. Durch ihre Sturheit, durch ihre Andersartigkeit. Sein Freund Taras hatte ihn in der Hand. Wenn der auspackte, dann gnade ihm Gott. Angst und Hass sind starke Verbündete! Sie gaben Ramon ungeheuere Energien, obwohl er sich sonst oft sehr müde und krank fühlte. Von diesen Kräften beflügelt hatte er viele Jahre nach seiner Schwester gesucht. Vor kurzem hatte er sie gefunden. Sie hauste unter erbärmlichen Verhältnissen in einer winzigen Hütte. Zusammen mit einer fremden Frau und deren Kind. Anstatt dankbar zu sein, dass Ramon sie aus dieser armseligen Lage befreite, hatte sie nun tatsächlich mit ihrer verdammten Zauberei den Vater ermordet. Natürlich stritt sie alles ab, tat unschuldig und weinte und jammerte andauernd. Sein jüngerer Bruder Jakob hielt wie selbstverständlich zu ihr. Nun, das war inzwischen unwichtig. Vater Benedictus, der Hauspriester, hatte nach dem Bischof schicken lassen. Dieser hatte nicht lange auf sich warten lassen. Vor ein paar Stunden war er mit seinem Gefolge eingetroffen. Man hatte ihm Jeanne vorgeführt und er hatte sie befragt. Die junge Frau blieb bei ihren Beteuerungen, sie wäre unschuldig. Doch der Bischof meinte, ein irres Funkeln in ihren Augen zu erkennen. Ramon hörte Jeanne jammern und schreien. Die Schergen des Bischofs unterstützten wohl die Befragung mit Quälereien und Folter. Ramon schlich auf dem Gang vor dem Kerker umher und fühlte eine seltsame Befriedigung bei der Vorstellung, dass seine Schwester nun endlich bekäme, was sie in seinen Augen schon so lange verdiente. …

Avalons letzter Apfel


Taschenbuch

Erscheinungsjahr: 2012
196 Seiten
Preis: 12,80 €
ISBN: 978-3-935912-76-1
E-Book:Preis: 6,99 €
Verlag: Fabuloso Verlag, Bilshausen

 

Liebe Töchter und Söhne Avalons,

was hat Avalon mit uns heute zu tun? Ist es nicht längst in den Nebeln von Mythen und Sagen verschwunden? Warum taucht es dennoch immer wieder in den Köpfen und Herzen der Menschen auf?

Diese und andere Fragen beschäftigten mich seit Jahren. Eine Faszination für alles, was mit dem alten keltischen Glauben zu tun hat, ließ mich unzählige Bücher zum Thema lesen und ich erkannte: Die bekannte Artus-Sage ist nur ein kleiner Teil dessen, was die Faszination um Avalon ausmacht. Vielmehr geht es um moralische Werte und spirituelle Vorstellungen, die mit der keltischen Kultur zusammenhängen. Der Glaube an die Beseeltheit der Natur und damit eine enge Naturverbundenheit, wie man es auch bei den Indianern und anderen Naturvölkern findet, sind sowohl in der keltischen als auch der germanischen Mythologie zu finden.

Die alten Glaubensvorstellungen sind nicht vergessen, sie überlebten in Sagen und Geschichten. Und sie widersprechen keinesfalls den christlichen Lehren der Nächstenliebe. Viele Menschen suchen heute wieder Halt in spirituellem und naturverbundenem Denken. Es ist, als ob die Werte einer vergangenen Zeit wieder aufleben, als ob Avalon wieder aus den Nebeln des Vergessens emporsteigt.

Mit dem vorliegenden Roman möchte ich dazu beitragen, Avalon ein Stück in unsere Vorstellung zurückzuholen und die alten Werte neu zu beleben.
2012 – ein Jahr des Umdenkens und spirituellen Wandels? Mit einem Stück Avalon im Herzen gehen wir gestärkt in eine neue Zeit.

Auf meinem YouTube Kanal findet ihr einen kleinen Trailer zu Avalons letzter Apfel.

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Seite 17 bis 19
… Der geheimnisvolle See lag mehrere Stunden Fußmarsch von ihrem Dorf entfernt. Auf dem Weg dorthin hatten sie wenig gesprochen. Kalter Wind war ihnen erbarmungslos in die Falten der Umhänge gefahren und hatte die beiden Wanderer zügig voranschreiten lassen. Schnee lag noch nicht und so waren sie, trotz Kälte, gut vorangekommen.
Am Ufer des Sees angekommen, blickte Luana in eine dichte, undurchdringlich scheinende Nebelwand. Die Größe des Sees konnte das Mädchen nicht ausmachen. Es war weit und breit kein Boot zu sehen – aber irgendwo musste eines sein. Inara hatte schon oft davon gesprochen, dass sie mit der Barke Avalons über das Wasser fuhr. Aber selbst, wenn sie jetzt ein Boot hätten – wie sollten sie bei solch einem Wetter bloß die kleine Insel finden? Würden sie sich nicht verirren oder womöglich im Kreis fahren? Auch die Geschichten von Menschen, die nur die andere Insel erreichen konnten, kam Luana in den Sinn. Sie wollte schon nachfragen, da bemerkte sie, wie Inara langsam und konzentriert die Arme zum Himmel hob und ein paar Worte murmelte. Als die Priesterin die Arme wieder sinken ließ, glitt die kleine Barke aus dem Nebel heraus ans Ufer. Kleine, unscheinbare Männer mit dunkler olivfarbener Haut und langen schwarzen Haaren führten die Ruder. Ihre Arme waren mit blauen Tätowierungen verziert und sie trugen erdfarbene einfache Gewänder. Die Männer sprachen kein Wort, halfen aber der Priesterin und Luana ehrerbietig ins Boot. Das Mädchen kauerte sich auf eine kleine Sitzbank in der Mitte des Bootes, während Inara im Bug Platz genommen hatte. Mit kräftigen Ruderschlägen entfernten sie sich nun rasch vom Ufer. Die Männer tauchen die Ruder so geschickt ins Wasser, dass fast kein Geräusch dabei entstand.
Nur ein leises Gluckern war zu vernehmen, welches die junge Reisende nun aus den Gedanken an Zuhause riss.
Das Boot fuhr immer weiter auf den See hinaus. Avalon jedoch war nicht zu sehen. Luana fand das merkwürdig. Hatten nicht die Leute und auch Inara immer gesagt, Avalon wäre eine Insel mitten im See? Wo war diese geheimnisvolle Insel denn nun? Sie fröstelte.
Auch von einer zweiten Insel, die an derselben Stelle wie Avalon liegen sollte, hatte sie gehört. Auch diese war nicht zu sehen und Luana glaubte, es gäbe sie vielleicht auch gar nicht. Wie sollten zwei verschiedene Inseln an ein und derselben Stelle liegen?
Nachdem das kleine Boot das Ufer weit hinter sich gelassen hatte, stand die Priesterin wieder von ihrem Sitz auf, drehte sich in Fahrtrichtung, hob die Arme und sprach abermals einige fremde Worte. Danach blickte sie unverwandt auf den See hinaus, als wenn sie das Ziel ihrer Reise nicht aus den Augen lassen wollte. Luana spürte ein ungewohntes Kribbeln den Rücken rauf- und runterfahren, es fühlte sich unheimlich an. Dann bemerkte sie, dass sich etwas verändert hatte. Der Nebel war dichter geworden, aber heller. Die Kälte war noch da, aber nicht mehr so beißend. Aufmerksam beobachtete sie ihre Begleiterin. Die Priesterin sah mit einem Mal so jung und kräftig aus, ganz anders, als noch vor wenigen Augenblicken.
Endlich konnte man schemenhaft eine Insel erkennen. Sie tauchte plötzlich vor ihren Blicken auf. Als sie näher kamen, konnte Luana die sanften grünen Hügel erkennen, die sich um einen hohen Berg nach allen Seiten über das ganze Land bis zum Horizont zogen. Zwischen dem mächtigen Berg und dem Ufer des Sees lag eine Siedlung von etwa zwei Dutzend kleineren und einer Handvoll größerer Gebäude. Überall verteilt standen Obstbäume – Luana konnte sie noch nicht genau erkennen. Waren es Apfelbäume? War das nun Avalon – oder die Insel der Mönche? Inara spürte Luanas Unsicherheit und flüsterte, als ob sie Gedanken lesen könnte:
„Das ist Avalon – die heilige Insel der Großen Mutter, der Urmutter aller Menschen und aller anderen Geschöpfe. Sie ist auch die Mutter der Erde, des Mondes, der Sonne und allem, was ist. Hier kannst du ihr nahe sein und ihre Stimme besonders klar und intensiv hören.“
Luana war mächtig beeindruckt, wunderte sich aber insgeheim darüber, dass sie die Insel nicht gesehen hatte, obwohl sie doch so groß war. Sollte das nur am Nebel gelegen haben?
Am Ufer angelangt, wuchs ihr Erstaunen weiter, denn es schien sogar die Sonne durch den immer lichter werdenden Nebel. Die Insel wirkte wie in goldenes Licht getaucht. Auch war es deutlich wärmer als am jenseitigen Ufer. Hier schien es, als wäre es gerade Herbstanfang. Konnte das sein? …

Seite 21 bis 22
… Nun betraten die beiden Besucherinnen einen kleinen dämmerigen Raum. Im Kamin brannte ein leise vor sich hinknisterndes Feuer und verbreitete wohlige Wärme. Luanas Herz vibrierte leicht, als sie in der Nähe des Fensters eine kleine Gestalt wahrnahm. Sie saß auf einem Schemel und sah hinaus in die Dunkelheit. Ohne sich umzudrehen, murmelte sie:
„Was die Sterne uns zeigen, ist eine uralte Botschaft. Ein ewiger Kreis von Werden und Vergehen. Nun wird er sich bald erneut schließen!“ Nach diesen seltsamen Worten wandte sie sich um und begrüßte die neu Angekommenen. „Die Göttin möge bei euch sein auf allen euren Wegen!“ Ihre Stimme hatte einen angenehmen warmen Klang. Ähnlich wie bei Morrígu. Sie aber sprach langsam und bedächtig, was sie von dieser unterschied. Würdevoll erhob sie sich jetzt und kam auf ihre Gäste zu. Das musste Vivienne sein! Luana war sich sicher! Allerdings bemerkte sie erstaunt, dass die Herrin viel kleiner zu sein schien, als sie es sich vorgestellt hatte. Ja, sie war sogar nur so groß wie sie selbst. Das Mädchen spürte die wachsamen Augen der Herrin auf sich ruhen und senkte voller Ehrfurcht den Blick. …

Niemand sah mich zwischen den Blüten

Anthologie
Herausgeber: Dorothea Christian

Taschenbuch
Erscheinungsjahr: 2011
130 Seiten
Preis: 9,80 €
ISBN: 978-3-935912-58-7

Verlag: Fabuloso Verlag, Bilshausen

 

Meine liebe Creativo-Kollegin Dorothea Christian hat diese wunderbaren Texte unter dem Arbeitstitel „Zaubergarten“ zusammengetragen. Es ist eine wunderbare Hommage an den Garten und die Natur in all ihren Facetten. Ich bin sehr dankbar, dass ich mit meiner Marleen dabei sein durfte!
Von mir findet ihr in dieser Anthologie eine gekürzte Fassung des 5. Kapitels aus „Melodie der Ewigkeit“

 

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Marleen –
Erinnerung an einen Apfelbaum

Die kleine Marleen sprang mit ihrer großen orangegelben Gießkanne durch den Garten. Wenn die Kanne ganz voll war, konnte Marleen sie fast nicht tragen. Immer wieder pladderte das Wasser heraus und ihre Füße in den roten Sandalen waren schon ganz nass. Die bunten Söckchen klebten an den Zehen, aber das machte Marleen gar nichts aus. Ja, sie merkte nicht einmal richtig, wie nass sie schon war. Wichtig war ihr nur, dass sie helfen konnte. Sie goss die Blumen im Beet und die Büsche, welche den Rasen vom Gemüsegarten trennten. Manchmal wässerte sie auch die Brennnesseln mit ihren zarten weißen Blüten, die immer wieder am Zaun zum Nachbargarten wucherten. Am ausgiebigsten bedachte sie aber stets den alten Apfelbaum. Er stand mitten im gepflegten Rasen. Seine ausladenden Äste wiegten sich im Wind. Manchmal, wenn eine kleine Apfelblüte herabfiel, hob Marleen sie auf und schnupperte daran. Wie gut das duftete.
Heute lief sie mit ihrer Gießkanne immer im Kreis um den Baum herum. Die Kanne hatte eine Brause vorn auf der Öffnung, damit konnte man prima Regen machen. Während die Kanne immer leerer wurde, sang Marleen die ganze Zeit ein Lied vor sich hin. Es hatte nur ein einziges Wort, aber die Melodie wechselte mit jeder Runde, die sie um den Baum drehte. Es klang mal lustig und beschwingt und dann wieder traurig und nachdenklich. Manchmal wurde sie ganz leise und manchmal klang die ganze Kraft ihrer jungen Stimme in der Melodie mit.

„Apfelbäumchen, Apfelbäumchen, Apfelbäumchen …“

Die Kanne war nun leer. Sie hüpfte zum Wasserhahn, der am Regenwassertank angeschlossen war, und füllte die Kanne erneut. Sie wollte gerade wieder zum Apfelbaum laufen, als Oma Elisa sie rief: „Marleen, der Baum hat genug Wasser! Komm lieber hierher und gieß die jungen Erbsen und die neuen Erdbeerpflanzen!“
Marleen lief den Weg hinauf zu ihrer Oma. Ganz bedächtig goss sie nun die frisch gepflanzten kleinen Blättchen.
„Ist es so richtig, Oma?“
„Ja, so ist es gut. Wenn du damit fertig bist, kannst du mir noch die Harke aus dem Schuppen holen.“
Marleen nickte und machte sich auf den Weg zum Schuppen. Dort hingen an der Wand die Gartengeräte – schön aufgereiht. Marleen schnappte sich die grüne Harke und lief zurück zu Oma Elisa.
„Hier, Oma, die Harke!“
„Danke, Marleen.“ Omas Blick fiel plötzlich auf Marleens Füße. „Ja, wie siehst du denn aus? Hast du dich selbst gegossen? Deine Schuhe und die Füße – es ist ja alles ganz nass! Lauf schnell rein und zieh dir trockene Socken an. Du weißt ja, wo die Sachen liegen. Die Schuhe kannst du in die Sonne stellen. Die werden bald wieder trocken sein.“
„Ooch, ich wollte dir doch noch helfen“, maulte Marleen. …

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