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Kategorie: Meine Bücher (Seite 2 von 2)

Bist auch Du so? Bös – Artigkeiten

Anthologie
Herausgeber: Creativo – Initiativgruppe für Literatur, Wissenschaft und Kunst

Taschenbuch
Erscheinungsjahr: 2012
152 Seiten
Preis: 10,00€
ISBN: 978-3-935912-70-9

Verlag: Fabuloso Verlag, Bilshausen

 

 

In dieser Anthologie findet ihr von mir mein Gedicht „Gedanken zu Lilith“ und die Kurzgeschichte „Seelenfinsternis“.
„Seelenfinsternis“ gehört inhaltlich in meinen ersten Roman Melodie der Ewigkeit, der von Maline beziehungsweise Jeanne erzählt wird. Die vorliegende Kurzgeschichte dagegen erzählt einen Teil des Romans aus Ramons Sicht. Ramon ist der Bruder von Jeanne und mitverantwortlich für ihr trauriges Schicksal.
Wegen der nicht passenden Erzählperspektive wurde dieser Teil damals nicht mit in den Roman aufgenommen. Mir ließ Ramons Geschichte jedoch keine Ruhe und sie fand glücklicherweise einen Platz in der Creativo Anthologie „Bösartigkeiten“, die mittlerweile aber fast vergriffen ist.

 

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Seelenfinsternis

Ramon hasste sie so sehr. Alles hatte sie kaputtgemacht. Durch ihre Sturheit, durch ihre Andersartigkeit. Sein Freund Taras hatte ihn in der Hand. Wenn der auspackte, dann gnade ihm Gott. Angst und Hass sind starke Verbündete! Sie gaben Ramon ungeheuere Energien, obwohl er sich sonst oft sehr müde und krank fühlte. Von diesen Kräften beflügelt hatte er viele Jahre nach seiner Schwester gesucht. Vor kurzem hatte er sie gefunden. Sie hauste unter erbärmlichen Verhältnissen in einer winzigen Hütte. Zusammen mit einer fremden Frau und deren Kind. Anstatt dankbar zu sein, dass Ramon sie aus dieser armseligen Lage befreite, hatte sie nun tatsächlich mit ihrer verdammten Zauberei den Vater ermordet. Natürlich stritt sie alles ab, tat unschuldig und weinte und jammerte andauernd. Sein jüngerer Bruder Jakob hielt wie selbstverständlich zu ihr. Nun, das war inzwischen unwichtig. Vater Benedictus, der Hauspriester, hatte nach dem Bischof schicken lassen. Dieser hatte nicht lange auf sich warten lassen. Vor ein paar Stunden war er mit seinem Gefolge eingetroffen. Man hatte ihm Jeanne vorgeführt und er hatte sie befragt. Die junge Frau blieb bei ihren Beteuerungen, sie wäre unschuldig. Doch der Bischof meinte, ein irres Funkeln in ihren Augen zu erkennen. Ramon hörte Jeanne jammern und schreien. Die Schergen des Bischofs unterstützten wohl die Befragung mit Quälereien und Folter. Ramon schlich auf dem Gang vor dem Kerker umher und fühlte eine seltsame Befriedigung bei der Vorstellung, dass seine Schwester nun endlich bekäme, was sie in seinen Augen schon so lange verdiente. …

Avalons letzter Apfel


Taschenbuch

Erscheinungsjahr: 2012
196 Seiten
Preis: 12,80 €
ISBN: 978-3-935912-76-1
E-Book:Preis: 6,99 € (momentan leider nicht als E-Book erhältlich)

Verlag: Fabuloso Verlag, Bilshausen

Bestellungen: Direkt bei mir oder bei Amazon.

Liebe Töchter und Söhne Avalons,

was hat Avalon mit uns heute zu tun? Ist es nicht längst in den Nebeln von Mythen und Sagen verschwunden? Warum taucht es dennoch immer wieder in den Köpfen und Herzen der Menschen auf?

Diese und andere Fragen beschäftigten mich seit Jahren. Eine Faszination für alles, was mit dem alten keltischen Glauben zu tun hat, ließ mich unzählige Bücher zum Thema lesen und ich erkannte: Die bekannte Artus-Sage ist nur ein kleiner Teil dessen, was die Faszination um Avalon ausmacht. Vielmehr geht es um moralische Werte und spirituelle Vorstellungen, die mit der keltischen Kultur zusammenhängen. Der Glaube an die Beseeltheit der Natur und damit eine enge Naturverbundenheit, wie man es auch bei den Indianern und anderen Naturvölkern findet, sind sowohl in der keltischen als auch der germanischen Mythologie zu finden.

Die alten Glaubensvorstellungen sind nicht vergessen, sie überlebten in Sagen und Geschichten. Und sie widersprechen keinesfalls den christlichen Lehren der Nächstenliebe. Viele Menschen suchen heute wieder Halt in spirituellem und naturverbundenem Denken. Es ist, als ob die Werte einer vergangenen Zeit wieder aufleben, als ob Avalon wieder aus den Nebeln des Vergessens emporsteigt.

Mit dem vorliegenden Roman möchte ich dazu beitragen, Avalon ein Stück in unsere Vorstellung zurückzuholen und die alten Werte neu zu beleben.
2012 – ein Jahr des Umdenkens und spirituellen Wandels? Mit einem Stück Avalon im Herzen gehen wir gestärkt in eine neue Zeit.

Auf meinem YouTube Kanal findet ihr einen kleinen Trailer zu Avalons letzter Apfel.

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Seite 17 bis 19
… Der geheimnisvolle See lag mehrere Stunden Fußmarsch von ihrem Dorf entfernt. Auf dem Weg dorthin hatten sie wenig gesprochen. Kalter Wind war ihnen erbarmungslos in die Falten der Umhänge gefahren und hatte die beiden Wanderer zügig voranschreiten lassen. Schnee lag noch nicht und so waren sie, trotz Kälte, gut vorangekommen.
Am Ufer des Sees angekommen, blickte Luana in eine dichte, undurchdringlich scheinende Nebelwand. Die Größe des Sees konnte das Mädchen nicht ausmachen. Es war weit und breit kein Boot zu sehen – aber irgendwo musste eines sein. Inara hatte schon oft davon gesprochen, dass sie mit der Barke Avalons über das Wasser fuhr. Aber selbst, wenn sie jetzt ein Boot hätten – wie sollten sie bei solch einem Wetter bloß die kleine Insel finden? Würden sie sich nicht verirren oder womöglich im Kreis fahren? Auch die Geschichten von Menschen, die nur die andere Insel erreichen konnten, kam Luana in den Sinn. Sie wollte schon nachfragen, da bemerkte sie, wie Inara langsam und konzentriert die Arme zum Himmel hob und ein paar Worte murmelte. Als die Priesterin die Arme wieder sinken ließ, glitt die kleine Barke aus dem Nebel heraus ans Ufer. Kleine, unscheinbare Männer mit dunkler olivfarbener Haut und langen schwarzen Haaren führten die Ruder. Ihre Arme waren mit blauen Tätowierungen verziert und sie trugen erdfarbene einfache Gewänder. Die Männer sprachen kein Wort, halfen aber der Priesterin und Luana ehrerbietig ins Boot. Das Mädchen kauerte sich auf eine kleine Sitzbank in der Mitte des Bootes, während Inara im Bug Platz genommen hatte. Mit kräftigen Ruderschlägen entfernten sie sich nun rasch vom Ufer. Die Männer tauchen die Ruder so geschickt ins Wasser, dass fast kein Geräusch dabei entstand.
Nur ein leises Gluckern war zu vernehmen, welches die junge Reisende nun aus den Gedanken an Zuhause riss.
Das Boot fuhr immer weiter auf den See hinaus. Avalon jedoch war nicht zu sehen. Luana fand das merkwürdig. Hatten nicht die Leute und auch Inara immer gesagt, Avalon wäre eine Insel mitten im See? Wo war diese geheimnisvolle Insel denn nun? Sie fröstelte.
Auch von einer zweiten Insel, die an derselben Stelle wie Avalon liegen sollte, hatte sie gehört. Auch diese war nicht zu sehen und Luana glaubte, es gäbe sie vielleicht auch gar nicht. Wie sollten zwei verschiedene Inseln an ein und derselben Stelle liegen?
Nachdem das kleine Boot das Ufer weit hinter sich gelassen hatte, stand die Priesterin wieder von ihrem Sitz auf, drehte sich in Fahrtrichtung, hob die Arme und sprach abermals einige fremde Worte. Danach blickte sie unverwandt auf den See hinaus, als wenn sie das Ziel ihrer Reise nicht aus den Augen lassen wollte. Luana spürte ein ungewohntes Kribbeln den Rücken rauf- und runterfahren, es fühlte sich unheimlich an. Dann bemerkte sie, dass sich etwas verändert hatte. Der Nebel war dichter geworden, aber heller. Die Kälte war noch da, aber nicht mehr so beißend. Aufmerksam beobachtete sie ihre Begleiterin. Die Priesterin sah mit einem Mal so jung und kräftig aus, ganz anders, als noch vor wenigen Augenblicken.
Endlich konnte man schemenhaft eine Insel erkennen. Sie tauchte plötzlich vor ihren Blicken auf. Als sie näher kamen, konnte Luana die sanften grünen Hügel erkennen, die sich um einen hohen Berg nach allen Seiten über das ganze Land bis zum Horizont zogen. Zwischen dem mächtigen Berg und dem Ufer des Sees lag eine Siedlung von etwa zwei Dutzend kleineren und einer Handvoll größerer Gebäude. Überall verteilt standen Obstbäume – Luana konnte sie noch nicht genau erkennen. Waren es Apfelbäume? War das nun Avalon – oder die Insel der Mönche? Inara spürte Luanas Unsicherheit und flüsterte, als ob sie Gedanken lesen könnte:
„Das ist Avalon – die heilige Insel der Großen Mutter, der Urmutter aller Menschen und aller anderen Geschöpfe. Sie ist auch die Mutter der Erde, des Mondes, der Sonne und allem, was ist. Hier kannst du ihr nahe sein und ihre Stimme besonders klar und intensiv hören.“
Luana war mächtig beeindruckt, wunderte sich aber insgeheim darüber, dass sie die Insel nicht gesehen hatte, obwohl sie doch so groß war. Sollte das nur am Nebel gelegen haben?
Am Ufer angelangt, wuchs ihr Erstaunen weiter, denn es schien sogar die Sonne durch den immer lichter werdenden Nebel. Die Insel wirkte wie in goldenes Licht getaucht. Auch war es deutlich wärmer als am jenseitigen Ufer. Hier schien es, als wäre es gerade Herbstanfang. Konnte das sein? …

Seite 21 bis 22
… Nun betraten die beiden Besucherinnen einen kleinen dämmerigen Raum. Im Kamin brannte ein leise vor sich hinknisterndes Feuer und verbreitete wohlige Wärme. Luanas Herz vibrierte leicht, als sie in der Nähe des Fensters eine kleine Gestalt wahrnahm. Sie saß auf einem Schemel und sah hinaus in die Dunkelheit. Ohne sich umzudrehen, murmelte sie:
„Was die Sterne uns zeigen, ist eine uralte Botschaft. Ein ewiger Kreis von Werden und Vergehen. Nun wird er sich bald erneut schließen!“ Nach diesen seltsamen Worten wandte sie sich um und begrüßte die neu Angekommenen. „Die Göttin möge bei euch sein auf allen euren Wegen!“ Ihre Stimme hatte einen angenehmen warmen Klang. Ähnlich wie bei Morrígu. Sie aber sprach langsam und bedächtig, was sie von dieser unterschied. Würdevoll erhob sie sich jetzt und kam auf ihre Gäste zu. Das musste Vivienne sein! Luana war sich sicher! Allerdings bemerkte sie erstaunt, dass die Herrin viel kleiner zu sein schien, als sie es sich vorgestellt hatte. Ja, sie war sogar nur so groß wie sie selbst. Das Mädchen spürte die wachsamen Augen der Herrin auf sich ruhen und senkte voller Ehrfurcht den Blick. …

Niemand sah mich zwischen den Blüten

Anthologie
Herausgeber: Dorothea Christian

Taschenbuch
Erscheinungsjahr: 2011
130 Seiten
Preis: 9,80 €
ISBN: 978-3-935912-58-7

Verlag: Fabuloso Verlag, Bilshausen

 

Meine liebe Creativo-Kollegin Dorothea Christian hat diese wunderbaren Texte unter dem Arbeitstitel „Zaubergarten“ zusammengetragen. Es ist eine wunderbare Hommage an den Garten und die Natur in all ihren Facetten. Ich bin sehr dankbar, dass ich mit meiner Marleen dabei sein durfte!
Von mir findet ihr in dieser Anthologie eine gekürzte Fassung des 5. Kapitels aus „Melodie der Ewigkeit“

 

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Marleen –
Erinnerung an einen Apfelbaum

Die kleine Marleen sprang mit ihrer großen orangegelben Gießkanne durch den Garten. Wenn die Kanne ganz voll war, konnte Marleen sie fast nicht tragen. Immer wieder pladderte das Wasser heraus und ihre Füße in den roten Sandalen waren schon ganz nass. Die bunten Söckchen klebten an den Zehen, aber das machte Marleen gar nichts aus. Ja, sie merkte nicht einmal richtig, wie nass sie schon war. Wichtig war ihr nur, dass sie helfen konnte. Sie goss die Blumen im Beet und die Büsche, welche den Rasen vom Gemüsegarten trennten. Manchmal wässerte sie auch die Brennnesseln mit ihren zarten weißen Blüten, die immer wieder am Zaun zum Nachbargarten wucherten. Am ausgiebigsten bedachte sie aber stets den alten Apfelbaum. Er stand mitten im gepflegten Rasen. Seine ausladenden Äste wiegten sich im Wind. Manchmal, wenn eine kleine Apfelblüte herabfiel, hob Marleen sie auf und schnupperte daran. Wie gut das duftete.
Heute lief sie mit ihrer Gießkanne immer im Kreis um den Baum herum. Die Kanne hatte eine Brause vorn auf der Öffnung, damit konnte man prima Regen machen. Während die Kanne immer leerer wurde, sang Marleen die ganze Zeit ein Lied vor sich hin. Es hatte nur ein einziges Wort, aber die Melodie wechselte mit jeder Runde, die sie um den Baum drehte. Es klang mal lustig und beschwingt und dann wieder traurig und nachdenklich. Manchmal wurde sie ganz leise und manchmal klang die ganze Kraft ihrer jungen Stimme in der Melodie mit.

„Apfelbäumchen, Apfelbäumchen, Apfelbäumchen …“

Die Kanne war nun leer. Sie hüpfte zum Wasserhahn, der am Regenwassertank angeschlossen war, und füllte die Kanne erneut. Sie wollte gerade wieder zum Apfelbaum laufen, als Oma Elisa sie rief: „Marleen, der Baum hat genug Wasser! Komm lieber hierher und gieß die jungen Erbsen und die neuen Erdbeerpflanzen!“
Marleen lief den Weg hinauf zu ihrer Oma. Ganz bedächtig goss sie nun die frisch gepflanzten kleinen Blättchen.
„Ist es so richtig, Oma?“
„Ja, so ist es gut. Wenn du damit fertig bist, kannst du mir noch die Harke aus dem Schuppen holen.“
Marleen nickte und machte sich auf den Weg zum Schuppen. Dort hingen an der Wand die Gartengeräte – schön aufgereiht. Marleen schnappte sich die grüne Harke und lief zurück zu Oma Elisa.
„Hier, Oma, die Harke!“
„Danke, Marleen.“ Omas Blick fiel plötzlich auf Marleens Füße. „Ja, wie siehst du denn aus? Hast du dich selbst gegossen? Deine Schuhe und die Füße – es ist ja alles ganz nass! Lauf schnell rein und zieh dir trockene Socken an. Du weißt ja, wo die Sachen liegen. Die Schuhe kannst du in die Sonne stellen. Die werden bald wieder trocken sein.“
„Ooch, ich wollte dir doch noch helfen“, maulte Marleen. …

Melodie der Ewigkeit

Taschenbuch
Erscheinungsjahr: 2010
144 Seiten
Preis: 11,80 €
ISBN: 978-3-935912-54-9
E-Book:
Preis: 6,99 € (momentan leider nicht als E-Book erhältlich)

Verlag: Fabuloso Verlag, Bilshausen

Bestellungen: Direkt bei mir oder bei Amazon.

 

Melodie der Ewigkeit ist mein erster Roman. Über viele Jahre hinweg sind die einzelnen Geschichten und späteren Kapitel entstanden. Die Geschichte um Jeanne ist die älteste und ich hatte sie schon als Kind im Kopf. Ob sie tatsächlich eine Erinnerung an ein vergangenes Leben ist möchte ich nicht behaupten, halte es aber für sehr warscheinlich.

Ob ein Leser nun an Wiedergeburt glaubt oder nicht, ist eigentlich nicht so wichtig, denn man kann die Geschichte von Maline durchaus auch als reine Fantasy ansehen und lesen.

Michaela Schreier hat eine besonders schöne und treffende Rezension zu „Melodie der Ewigkeit“ geschrieben.
Hier könnt ihr sie nachlesen!

Ihr könnt euch auch ein Stück aus Melodie der Ewigkeit vorlesen lassen. Im österreichischen Campus&City Radio wurde mein Buch vorgestellt und daraus gelesen. Hier gehts zur Sendung auf meinem YouTube Kanal.

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Echo der Erinnerung

Es war plötzlich so dunkel geworden, aber die Schmerzen
ließen langsam nach und sie bemerkte, wie sich langsam in
ihr eine Frage formte:
„Hast du alles in deiner Macht stehende getan, um deiner
Aufgabe gerecht zu werden?“
Sie konnte keine Antwort geben. Die Erinnerung verblasste
genauso wie die Schmerzen. Je mehr sie versuchte die Erinnerungen
festzuhalten, desto mehr versanken diese im Nebel des Vergessens.
Irgendetwas trieb sie, vorwärts zugehen und irgendetwas hielt sie
zurück. Sie wollte keinen neuen Anfang, sie wollte zurück zu ihrem
alten Leben. Sie wusste:
„Ich muss alles zu einem guten Ende bringen.“
Wie vielen hatte sie geholfen? Wie viele hatten sie um Rat
gefragt? Wie vielen hatte sie Mut gemacht? Und wo waren
die nun? Wollte ihr jetzt keiner helfen oder Mut zusprechen?
War das der Dank, den sie verdiente? Nicht ein Einziger kam,
um für sie zu sprechen. Alle hatten Angst. Nur einer war da,
aber der sprach nicht für sie. Dabei hatte er sie einmal geliebt.
Nun sah sie die Fackel in seiner Hand und hatte das Gefühl,
er war schuld an der versengenden, mörderischen Hitze. Und
das alles nur, weil sie seine Liebe nicht erwidern konnte.
Sie hatte ihn als Freund und Bruder angesehen. Und diese
wenige Zuneigung schlug irgendwann in Verachtung um. In
diesem Moment hasste sie ihn mehr denn je, und als sie sah,
dass die Flammen ihn erfassten, hätte sie fast gejubelt, wenn
Dunkelheit und Nebel ihr nicht die Sinne geraubt hätten …

Abra –
Botin des Lichts
Erbin des Lichts
Schwester im Licht

Die Tür am Ende des dunklen Ganges öffnete sich und eine
kleine, zierliche Gestalt trat hindurch. Es war so hell, dass
sie zuerst nichts sehen konnte. Blinzelnd nahm sie ein Wesen
wahr, welches auf sie zutrat und sie herzlich begrüßte.
„Willkommen im Glanz des Lichtes, liebe Schwester!“
„Wo bin ich? Bin ich tot?“, fragte die Angesprochene und
gleichzeitig kamen ihr schwache Erinnerungen, dass sie hier
schon einmal gewesen war.
„Du bist in der Heimat des Lichts, unser aller Zuhause.“
Sie nahm die neu Angekommene bei der Hand und führte
sie etwas weiter zur Mitte des Raumes. Dann erklärte sie:
„Tot, so wie die meisten Menschen es meinen, bist du nicht.
Nur dein Körper ist vergänglich und du hast ihn zurückgelassen.
Das, was du wirklich bist und was dich im wahrsten
Sinne ausmacht, kann nicht sterben. Aber lass dir etwas Zeit,
die Erinnerungen kommen bald wieder. Wenn du möchtest,
kann ich dir helfen, dich zu erinnern. Mein Name ist Abra.
Ich bin deine Botschafterin des heiligen Lichts.“
„Ich weiß nicht mehr, wer ich bin, aber ich habe das Gefühl,
man nannte mich Jeanne.“
„Das ist einer deiner Namen in der anderen Welt“, sagte
Abra „hier kennen wir die wirklichen Namen der Kinder
des Lichts. Den Namen, mit dem auch das Licht dich ruft
– Maline!“
„Andere Welt?“, flüsterte Maline zögerlich, „was bedeutet
das?“
Während sie noch auf Antwort wartete, bemerkte Maline,
dass Abra nicht so war, wie sie selbst. Sie schien irgendwie
durchsichtig zu sein. Ein sanftes, zartblaues Leuchten ging von
ihr aus, welches tief in ihrem Inneren seinen Ursprung hatte.
Wenn sie sich bewegte, machte sie keinerlei Geräusch, fast
so, als schwebte sie. Gleichzeitig nahm Maline einen leichten
Duft nach Apfelblüten wahr, der von Abra ausging. Das erinnerte
sie an etwas, aber sie kam einfach nicht darauf, was es
war. Manchmal meinte sie, zarte Flügel hinter Abra zu sehen,
aber wenn Maline genauer hinsah, waren sie nicht mehr da.
„Die andere Welt wird von den Menschen die Realität
genannt oder die wahre Welt. Sie können sich nicht
oder jedenfalls nur ganz selten an uns erinnern. Manche
glauben, wir sind nur Träume oder Phantasien. Andere
glauben, wir sind der Himmel ihres Gottes. Sie geben
unserer Welt noch viele andere Namen wie zum Beispiel:
die Anderswelt, Tir na´ nOg oder Annwn. Aber
sehr viele haben auch den Glauben an unsere Welt verloren.
Sie können uns in ihrer Realität nicht mehr wahrnehmen
und sind fest gefangen in ihrer Wirklichkeit. Es
ist für sie – wenn sie dann hier herkommen – schwer,
über ihr vergangenes Leben nachzudenken. Und es ist
für sie auch viel schwerer, ihren Weg weiterzugehen“,
erklärte Abra. „Lass uns einen Moment hier auf dieser
Bank verweilen, damit du ein bisschen Ruhe findest. Du
hast eine anstrengende Zeit hinter dir.“
Maline nahm das Angebot dankbar an. Sie war wirklich
etwas erschöpft und verwirrt zugleich. Was Abra ihr eben
erzählt hatte, war die Wahrheit, das wusste sie. Woher dieses
Wissen allerdings kam, konnte sie sich nicht erklären. Abra
setzte sich neben Maline und wieder glaubte diese für einen
kurzen Augenblick, Flügel hinter Abra zu sehen. Diesmal
bemerkte sie, dass die Flügel aus ganz zartem, glänzendem
Material waren. Sie schimmerten wie Libellenflügel. Nein,
dachte Maline, wie Feenflügel aus einem wunderschönen
alten Märchen, welches ihr ihre Großmutter vor langer Zeit
einmal erzählt hatte.
„Bist du eine Fee, Abra?“, fragte Maline ganz leise.

Nur, wenn der Wind im Gras singt

Anthologie
Herausgeber: Creativo – Initiativgruppe für Literatur, Wissenschaft und Kunst

Taschenbuch
Erscheinungsjahr: 2010
177 Seiten
Preis: 10,00 €
ISBN: 978-3-935912-53-2

Verlag: Fabuloso Verlag, Bilshausen

 

In dieser Anthologie ist ein Romanauszug aus „Melodie der Ewigkeit“ enthalten. Beide Bücher sind zeitgleich im August 2010 erschienen.

 

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Echo der Erinnerung

Es war plötzlich so dunkel geworden, aber die Schmerzen
ließen langsam nach und sie bemerkte, wie sich langsam in
ihr eine Frage formte:
„Hast du alles in deiner Macht stehende getan, um deiner
Aufgabe gerecht zu werden?“
Sie konnte keine Antwort geben. Die Erinnerung verblasste
genauso wie die Schmerzen. Je mehr sie versuchte die Erinnerungen
festzuhalten, desto mehr versanken diese im Nebel des Vergessens.
Irgendetwas trieb sie, vorwärts zugehen und irgendetwas hielt sie
zurück. Sie wollte keinen neuen Anfang, sie wollte zurück zu ihrem
alten Leben. Sie wusste:
„Ich muss alles zu einem guten Ende bringen.“
Wie vielen hatte sie geholfen? Wie viele hatten sie um Rat
gefragt? Wie vielen hatte sie Mut gemacht? Und wo waren
die nun? Wollte ihr jetzt keiner helfen oder Mut zusprechen?
War das der Dank, den sie verdiente? Nicht ein Einziger kam,
um für sie zu sprechen. Alle hatten Angst. Nur einer war da,
aber der sprach nicht für sie. Dabei hatte er sie einmal geliebt.
Nun sah sie die Fackel in seiner Hand und hatte das Gefühl,
er war schuld an der versengenden, mörderischen Hitze. Und
das alles nur, weil sie seine Liebe nicht erwidern konnte.
Sie hatte ihn als Freund und Bruder angesehen. Und diese
wenige Zuneigung schlug irgendwann in Verachtung um. In
diesem Moment hasste sie ihn mehr denn je, und als sie sah,
dass die Flammen ihn erfassten, hätte sie fast gejubelt, wenn
Dunkelheit und Nebel ihr nicht die Sinne geraubt hätten …

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